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Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 23/2012
Das Christentum
Was wird, was bleibt?
Der Inhalt:

Kunst hinter Gittern

von Richard Rabensaat vom 07.12.2012
Eine Ausstellung zeigt Kunst aus den Gefängnissen der Welt

Ein Engel mit einem Embryo im Bauch, ein rauchender Colt. Ein Leichensack wird geöffnet, Polizeihubschrauber kreisen mit Suchscheinwerfern über einer Großstadt, so sieht die »kalifornische Tragödie« aus. Die Geschichte, die Jose Contreras mit seiner Zeichnung erzählt, hat kein gutes Ende genommen. Der Zeichner sitzt derzeit in Kalifornien im Gefängnis. Contreras ist nicht der Einzige, der bei der Ausstellung »Von Licht und Dunkel« in der Berliner Zitadelle Spandau mit einem Bild aus seinem Leben berichtet. Für die zwei Kunstwettbewerbe, die der Verein Art and Prison e. V. seit 2008 ausrichtete, gab es mehr als 1000 Einsendungen von Inhaftierten aus vierzig Ländern. 300 davon werden nun ausgestellt und können vielleicht eine Möglichkeit bieten, ein Fenster aus der Haftanstalt heraus zu öffnen: »Der Knast kommt mir vor wie eine abgeschlossene Welt, wie eine Käseglocke. Die Gefangenen denken viel über die eigene Situation nach, aber sie benötigen auch den Blick nach draußen«, betont Peter Echtermeyer.

Der Diakon ist Gründer und Vorsitzender des Vereins und hat sich als Repräsentant der Internationalen Gefängnisseelsorge seit mehr als zehn Jahren um das Seelenheil der Inhaftierten gekümmert. Eine Begegnung in einem Gefängnis im Jahre 1989 gab den Anstoß dazu, den Wettbewerb auszuschreiben. Einer der Gefangenen wollte töpfern, in seiner Zelle. Davon war die Gefängnisleitung zunächst nicht sonderlich begeistert. In zähen Verhandlungen verschaffte Peter Echtermeyer ihm die Erlaubnis.

Begleitend zu seiner Arbeit hat der Geistliche Diskussionen und Konzerte in Gefängnissen organisiert. Dabei steht für ihn im Vordergrund, dass die Inhaftierten die Strafe für ihr Verbrechen bereits erhalten haben. Deshalb spricht er mit ihnen erst einmal über ihre aktuelle, deprimierende Situation innerhalb der Haftanstalt und nicht über ihre Tat.

Vielleicht eröffnet die Auseinandersetzung mit der Kunst für die Gefangenen jedoch auch eine Perspektive für die Zukunft: Frederic, der in der Justizvollzugsanstalt Ebrach in Oberfranken eine Jugendstrafe verbüßte, zeigte sich bei einem vergangenen Wettbewerb so talentiert, dass die Jury sein Bild prämierte. Das könnte Einfluss auf die Entscheidung des jungen Mannes gehabt haben, nun eine Lehre als Bühnenmaler aufzunehmen, vermutet Peter Echtermeyer.

Nach ihrer

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