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Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 23/2012
Das Christentum
Was wird, was bleibt?
Der Inhalt:

Jung, alleinerziehend, stark

von Constanze Bandowski vom 07.12.2012
Die Bolivianerin Veronica Machicado, 23, hat sich aus armen Verhältnissen hochgearbeitet

Ich bin heilfroh, dass ich als Siebenjährige bei der Stiftung La Paz gelandet bin. Wer weiß, was sonst aus mir geworden wäre? Es gibt hier ja genug Straßenkinder oder Leute ohne Schulabschluss und Ausbildung. Bolivien ist ein sehr armes Land, und viele Familien wissen nicht, wie sie klarkommen sollen. Ich brauche noch anderthalb Jahre, dann habe ich den Abschluss als Krankenschwester – das hätte ich ohne die Leute von der Stiftung niemals geschafft.

Früher wäre so etwas undenkbar gewesen: eine einfache Frau mit Berufsausbildung! Meine Mutter ist ja nur ein paar Jahre zur Grundschule gegangen und kann gerade mal ein bisschen Lesen und Schreiben. Bildung kostet viel Geld, und man muss einen langen Atem haben. Auch das habe ich bei der Stiftung gelernt. Wir haben viele Gespräche geführt, das hilft ungemein, seine Persönlichkeit zu entwickeln. Wir haben tolle Sachen gemacht und viel erlebt: sind zelten gegangen, haben Nachhilfe bekommen, haben gespielt, gelacht, und wenn wir Kummer hatten, war da jemand, der zugehört hat.

Meine Mutter kannte die Stiftung La Paz von meinen Cousins. Die gingen jeden Tag ins Kinder- und Jugendzentrum und bekamen hier ein warmes Mittagessen, Hausaufgabenhilfe, Persönlichkeitsbildung, Freizeitangebote, alles Mögliche. Es gibt auch Häuser für Straßenkinder, Kindergärten oder Ausbildungswerkstätten. Meine Mutter schickte mich also mit den Cousins mit, als ich in die Schule kam. Das war mein großes Glück. Für die meisten ist das hier eine Art zweites Zuhause. So war es auch für mich.

Meine Mutter war alleinerziehend und hat voll gearbeitet. Sie ist eine einfache Haushaltshilfe, da verdient man nicht viel, und so haben meine jüngere Schwester und ich zuerst im Haushalt geholfen und später Geld dazuverdient. Das ist in Bolivien selbstverständlich und hier in der Großstadt erst recht: Kinder müssen arbeiten, sonst können die Familien nicht überleben. Als ich zehn war, habe ich neben der Schule Kinder gehütet. Mein Verdienst reichte gerade mal für eine warme Mahlzeit und meine Schulhefte, viel mehr war nicht drin, aber immerhin musste sich meine Mutter nicht um mich sorgen. Damals ging ich ja schon ins Kinder- und Jugendzentrum. Die Leute hier sind nicht gegen Kinderarbeit; sie kennen ja den Alltag in Bolivien, und so passen sie auf, dass die arbeitenden Kinder und Jugendlichen die Schule nicht vernachlässigen. Dass

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