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Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 23/2012
Das Christentum
Was wird, was bleibt?
Der Inhalt:

Flucht in die Berge

von Benjamin Schuke vom 07.12.2012
Der Film »Camp 14« gewährt Einblicke in die nordkoreanischen Straflager. Fragen an den Regisseur Marc Wiese

Shin Dong-Hyuk ist in einem nordkoreanischen Straflager geboren und aufgewachsen. Im Jahr 2005 konnte er fliehen, nachdem er sieben Monate gefoltert worden war. Nach einem Jahr in China ging er nach Südkorea. Herr Wiese, Sie haben einen Film über das Schicksal von Shin Dong-Hyuk gedreht, der jetzt in den Kinos anläuft. Wie ist die Reaktion des Publikums?

Marc Wiese: Wir haben ihn ja bereits bei Filmfestivals vorgestellt. Oft wird es unter den Zuschauern ganz still, sodass man die berühmte Stecknadel fallen hören kann. Die Leute sind sehr beeindruckt und sehr nachdenklich. Ich habe bei einer Vorpremiere auch schon erlebt, dass keiner geklatscht hat. Das ist wirklich unüblich. Die Resonanz ist aber bisher sehr gut.

Wie ist die Idee zu einem Film über Nordkorea zustande gekommen?

Wiese: Ich war dabei, einen anderen Film zu machen. Dessen Thema war das ikonenhafte Bild eines Mädchens im Vietnamkrieg, das von einer Napalmbombe getroffen wurde und nackt die Straße hinunterläuft. Zu Dreharbeiten dafür war ich gerade in Washington. Im Café las ich dann in der Washington Post einen Artikel über Shin. Innerhalb von Minuten war mir klar: Darüber möchte ich einen Film machen.

Wie ist der Kontakt zwischen Ihnen und Herrn Dong-Hyuk zustande gekommen?

Wiese:Die Kontaktaufnahme war nicht so schwierig, weil ich 2005 in Korea schon mal ein großes Projekt gedreht hatte. Schwieriger war die Tatsache, dass ich nicht alleine die Washington Post lese und viele sich für ihn interessierten. Ich traf dann 2008 auf einen schwer traumatisierten Mann, der mich kaum ansehen konnte. Also sagte ich zu ihm: »Weißt du, wir lassen das. Ich flieg wieder nach Hause. Dass dich die Medienmeute jagt, ist das Letzte, was du jetzt brauchst.« Später war er es, der mich zurückrief und zusagte.

In Ihrem Film kommen auch ehemalige Lagerwächter zu Wort. Der Ex-Aufseher Hyuk Kwon spricht ganz nebensächlich davon, wie Frauen vergewaltigt und dann getötet wurden. Der Geheimdienstmitarbeiter Oh Yangnam fand Hinrichtungen und Schikanen spaßig. Wie kamen die Interviews mit diesen Tätern zustande?

Wiese:Das gestaltete sich schon schwieriger. Ich bekam einen Tipp aus Geheimdienstkreisen. Meine Assistentin hat sich d

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