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Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 23/2012
Das Christentum
Was wird, was bleibt?
Der Inhalt:

»Das ist eine echte Revolution«

von Micha Heitkamp vom 07.12.2012
Martin Schulz leidet schwer an der europäischen Krise. Doch die nächsten Europawahlen bieten aus seiner Sicht eine ganz große Chance. Fragen an den Präsidenten des Europäischen Parlaments

Herr Schulz, in diesen Tagen bekommt die Europäische Union den Friedensnobelpreis. Mit diesem Preis wird seit Jahren nicht gelobt, sondern gemahnt: »Mach deinen Job!« Welchen Job muss die Europäische Union gerade jetzt besser machen?

Martin Schulz: Sie muss die Krise lösen und wieder Hoffnung geben. Der Friedensnobelpreis erinnert uns daran, was wir in den vergangenen Jahrzehnten geschafft haben: dass unser Kontinent nach Holocaust, Krieg und Trümmern zu der wohlhabendsten und sichersten Region weltweit geworden ist. Nun geht es darum, dass wir die EU fit machen für das 21. Jahrhundert, weil wir sonst in der Bedeutungslosigkeit verschwinden werden.

Gerade gibt es einen Riesenkrach über den europäischen Finanzplan: Die Finanzminister liegen sich wegen Griechenland in den Haaren. Und die Engländer sagen offen, was andere nur denken: Was interessiert uns die EU? Uns ist nur wichtig, wie es unserem Land geht! Kann Europa bei so viel Egoismus je funktionieren?

Schulz: Wer meint, dass irgendein europäisches Land allein zukünftig noch seinen Wohlstand bewahren kann, sollte sich mit ein paar Realitäten vertraut machen: In dreißig Jahren ist kein europäisches Land mehr in der Großen 8, weil uns dann andere wachstumsstarke Länder ökonomisch überholt haben. Deshalb rate ich dringend, dass wir zu Beginn des 21. Jahrhunderts nicht die Fehler wiederholen, die wir zu Beginn des 20. Jahrhundert gemacht haben. Wir werden nur gemeinsam als Europa gewinnen können – oder wir werden gemeinsam verlieren.

Was hat Sie persönlich zu einem überzeugten Europäer gemacht?

Schulz: Ich komme aus Würselen, aus der deutsch-niederländisch-belgischen Grenzregion in der Nähe von Aachen. Dort lernt man sehr schnell, dass nichts mehr geht, wenn die Zusammenarbeit zwischen den Ländern nicht funktioniert oder Grenzen wieder hochgezogen werden. Meine Generation ist noch sehr von der Motivation geprägt, dass Deutschland durch die europäische Einigung wieder die Rückkehr in die internationale Völkergemeinschaft eröffnet wurde – heute ist die Begründung der EU vor allem, dass wir nur durch die europäische Integration weiter ein stabiler und wohlhabender Kontinent bleiben werden.

2014 steht die nächste Europawahl an. Bei der letzten im Jahr 2009 lag die Wahlbeteiligung in Deutschland

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