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Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 22/2019
Die Zerreißprobe
Die Theologen Nikolaus Schneider und Dietmar Mieth hatten eine klare Haltung ...
Der Inhalt:

Opfer-Entschädigungen aus Kirchensteuern?

vom 22.11.2019

Der Missbrauchsbeauftragte der Deutschen Bischofskonferenz (DBK), Bischof Stephan Ackermann von Trier, hat für seine Äußerung, man müsse darüber reden, Missbrauchsopfer auch mit Kirchensteuermitteln zu entschädigen, heftigen Widerspruch geerntet. Ackermann argumentierte, wenn Täter nicht mehr zur Verantwortung gezogen werden könnten, müsse die Kirche als Solidargemeinschaft eintreten.

Hintergrund ist: Die DBK will Missbrauchsopfer deutlich höher entschädigen. Bislang erhalten Betroffene jeweils rund 5000 Euro, in Einzelfällen mehr. Nun stehen zwei Vorschläge im Raum, die unter Beteiligung von Missbrauchsopfern erarbeitet wurden. Sie plädieren entweder für eine pauschale Entschädigung von rund 300 000 Euro pro Fall oder für eine gestaffelte Zahlung bis zu 400 000 Euro (vgl. Publik-Forum 19/19, S. 10). Dies könnte sich bis zu einer Milliarde Euro summieren.

Der Jesuit Klaus Mertes, der 2010 zur Aufdeckung zahlreicher Missbrauchsfälle beitrug, meint, Entschädigungsleistungen in dieser Höhe seien ohne Kirchensteuermittel nicht zu leisten. Er ist deshalb gegen sechsstellige Zahlungen. Mertes findet es auch falsch, an die Solidargemeinschaft zu appellieren, »wenn es um die Haftung für Verbrechen von Tätern und Leitungsversagen im Umgang mit diesen Tätern durch die kirchliche Obrigkeit geht«. Kein einziger Laie trage Verantwortung dafür, »wer die Bistümer regiert, wer zu Priestern geweiht wird und wer Leitungsfunktionen in der Kirche ausübt«. Auch die Journalistin Christiane Florin, Autorin des Buchs »Weiberaufstand«, kritisiert dies: »Wenn es eng wird, weitet sich das klerikale Ego zum Wir.«

Die katholische Frauenprotestbewegung »Maria 2.0« ist ebenfalls gegen die Verwendung von Kirchensteuern: »Die Solidarität von Maria 2.0 gilt den Opfern, aber nicht einem System, das durch seine Strukturen systemisch den Missbrauch erst hervorgebracht und die Täter teilweise vor Strafverfolgung geschützt hat.«

Der Journalist Joachim Frank, Vorsitzender der Gesellschaft Katholischer Publizisten Deutschlands, dagegen meint: Solle sich die Solidarität mit den Opfern in höheren Summen als bisher ausdrücken, sei »zwangsläufig die Kirche als Gemeinschaft gefordert«. Erstens, weil das Privatvermögen der Täter nicht ausreiche. Zweitens, weil auch G

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