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Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 22/2019
Die Zerreißprobe
Die Theologen Nikolaus Schneider und Dietmar Mieth hatten eine klare Haltung ...
Der Inhalt:

Der Letzte Brief (Vorsicht Satire!): Lieber Uli Hoeneß,

vom 22.11.2019

nach Ihrem Ausscheiden als Präsident des FC Bayern München möchte ich Sie fragen, ob Sie nicht ehrenamtlich die neugeschaffene Manager-Stelle in der bayerischen Bischofskonferenz übernehmen möchten. Sie wissen ja: Mein Verein ist in einem ähnlich desolaten Zustand wie der FC Bayern Ende der 1970er-Jahre. Da könnten Sie Ihren reichen Erfahrungsschatz einbringen. Etwa, wie man der Konkurrenz skrupellos die besten Spieler wegkauft. Ich hätte zum Beispiel gerne den Bedford-Strohm in meinem Team. Und Navid Kermani, weil der so geniale Querpässe schlagen kann. Auch die Verpflichtung des Dalai Lama wäre ein Knüller, selbst wenn er seine besten Jahre schon hinter sich hat. Aber vielleicht wird er ja wiedergeboren. Für die Nachwuchsarbeit würde ich gerne Judith Butler verpflichten, damit unsere Jungs nicht immer das große Zittern kriegen, wenn sie das G-Wort hören. Mit diesen Neuzugängen hätten wir sonntags wieder die Hütte voll. Im Gegenzug können Sie gerne einige Bischöfe ins Ausland transferieren. Aber bitte nicht nach Rom! Das gibt nur Stress.

Apropos Rom: Könnten Sie mal mit unserem obersten Trainer ein paar Takte zur Taktik reden? Dieses Hin und Her macht einen ja wahnsinnig. Entweder verteidigen oder angreifen, Catennagio oder Aggiornamento, beides zusammen geht nicht. Außerdem würde ich gerne wissen, warum Francesco mich immer wieder ins Abseits laufen lässt, wenn ich mal die Chance habe zu punkten. Leider können wir Ihnen kein standesgemäßes Honorar anbieten. Aber wir könnten Ihnen zusagen, dass auf allen bayerischen Pfarrfesten künftig nur Wurstwaren aus Ihrer Fabrik angeboten werden. Im Übrigen darf ich Sie daran erinnern, dass der FC Bayern in den vergangenen Jahren nur deshalb so erfolgreich war, weil ich ihn heimlich, aber regelmäßig auf dem Marienplatz dem unbesiegbaren Herzen Mariens geweiht habe. (Und das als Dortmund-Fan, der in Geseke geboren wurde.) Sie wollen doch nicht, dass die Wirkung des Segens allmählich nachlässt, oder?

PS: Machen Sie sich keine Sorgen wegen Ihrer Vergangenheit. Für reuige Sünder haben wir in der katholischen Kirche eine besondere Schwäche. Da sind Sie bei uns in besten Händen. So würde ich mich freuen, wenn es zu einer Zusammenarbeit käme.

Mit freundlichen Grüßen

Kardinal Reinhard Murx,
Erzbischof von Mü

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