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Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 22/2019
Die Zerreißprobe
Die Theologen Nikolaus Schneider und Dietmar Mieth hatten eine klare Haltung ...
Der Inhalt:

Der Spiegel der Welt

von Britta Baas vom 22.11.2019
Das neue Bauhaus-Museum in Dessau zeigt die Sammlung der Stiftung Bauhaus endlich in Gänze

Draußen ist drinnen, drinnen ist draußen. Das ist der erste Eindruck, den das neue Museum von Dessau bei der Betrachterin hinterlässt. In der gläsernen Hülle des großen Rechtecks auf dem Mies-van-der-Rohe-Platz spiegelt sich die Wirklichkeit der Stadt. Gleichzeitig fällt diese Stadt mit der Tür ins Haus: Ohne Dessau und seine Geschichte wäre das neue Museum gar nicht zu denken, das hier am 8. September eröffnet wurde.

Das Gebäude liegt im Dreieck zwischen Stadtpark, Friedrichs- und Kavalierstraße. Zum Park hin spiegelt die Außenwand Bäume, Sträucher und Flaneure. Zur belebten Kavalierstraße hin gibt die Glasfassade die Fronten der gegenüberliegenden Einkaufstempel wieder. Mittendrin und doch bei sich: So präsentiert sich der Bau. Auch wer das Museum nie betritt, kann sich beim Anschauen von ihm gemeint fühlen –, denn es spiegelt jeden.

Junge Architektinnen und Architekten aus Barcelona haben das Gebäude entworfen. Es beherbergt nun die umfangreiche Sammlung der Stiftung Bauhaus Dessau, die bislang im Bauhaus-Gebäude an der Gropiusallee immer nur teilweise gezeigt werden konnte – aus purem Platzmangel. Die neuen Räume sind von luftiger Leichtigkeit bestimmt; schon das Entrée überrascht mit seiner Weite. Hier ist genug Raum für interaktive Installationen, für Vorträge und Filmvorführungen, für Tanz, Theater und Gespräche.

Wer nach diesem einladenden Anfang Sehnsucht nach Konzentration verspürt, ist in der »Black Box« des Obergeschosses richtig. Der geschlossene Kubus aus Stahlbeton scheint förmlich zu schweben. Er kommt ohne Tageslicht aus und bietet so optimale klimatische Bedingungen für die Präsentation empfindlicher Objekte: Gewebte Wandteppiche, Fotografien, Leuchten und lederne Sessel entführen in die Zeit des frühen zwanzigsten Jahrhunderts.

Als alles begann, war Dessau eine Stadt, die auf das Bauhaus geradezu gewartet hatte. Wie sehr die neuen Ideen der Meister und ihrer Schülerinnen und Schüler ersehnt wurden, lässt sich heute noch erahnen. Die Stadt ist in Gänze vom Bauhaus geprägt. Überall ist es zu sehen, kontrastiert mit der Bau(un)kultur der Gegenwart ebenso wie mit der der faschistischen Vergangenheit, mit der die Bauhausarchitekten in direkte Konkurrenz gerieten. Gerade diesen Konflikt zeigt die Ausstellung auf beeindruckende Weise, holt das Außen der Stadt nach innen, hinein ins Museum. B

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