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Die Zeitschrift, die für eine bessere Welt streitet ...Ausgabe lesen

kritisch • christlich • unabhängigzur aktuellen Ausgabe

 
Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 22/2018
Gott, mein Therapeut
Religion stärkt. Aber warum?
Der Inhalt:

»Evangelium kreativ«

Ursula Hahmann engagiert sich in Aachen in einer besonderen Kirchengemeinde mit besonderen Gottesdiensten

Ich hatte mich von der Kirche entfernt, nachdem ich im Studium erlebt habe, wie geringschätzig manche hochrangigen Kirchenvertreter mit engagierten Mitchristen umgehen. Heute gehöre ich mit »Zeitfenster« einer Gemeinde an, in der ich Gestaltungsfreiheit habe und Kirche bin, also nicht nur konsumiere.

In den ersten Jahren haben wir uns bei Zeitfenster vor allem ausgetauscht und gesucht, wie Kirche von morgen gehen kann. Wir haben experimentiert, wie man mit Aktionen in der Stadt das Evangelium heute kreativ verkünden kann. Eine hieß »Anti-Stress For Free«. Da haben wir nachts in Aachen fünfzig Latten montiert, mit Hilfen gegen Stress: Luftpolsterfolien, aus denen man zum Entspannen die Luft drücken konnte, und einen Flyer, der aufzeigte: Christlicher Glaube ist auch ein alltagstaugliches Anti-Stress-Programm und besitzt Relevanz.

Vor vier Jahren entwickelten wir einen Gottesdienst für Leute, die nicht mehr in die Kirche gehen. Weil wir die Leute und ihre Bedürfnisse verstehen wollten, haben wir Menschen direkt gefragt. Nachher wussten wir: Am wichtigsten sind Musik aus dem Alltag, eine Sprache, die jeder versteht, entspannte Moderationen und ein Thema, das für das Leben Relevanz hat. Gemeinschaft dagegen ist ambivalent besetzt. Die einen wollen Gemeinschaft spüren, die anderen explizit nicht: Sie wollen zur Ruhe kommen und unauffällig gehen können, falls es nicht passt.

»Für Herz und Hirn« – das ist unser Anspruch. Wer bei uns predigt, spricht über ein Thema, das ihm oder ihr am Herzen liegt. Am Ende sollen die Leute gerne mit einer Frage nach Hause gehen, nicht so sehr mit einer fertigen Lösung. Wir suchen auch einen kreativen Einstieg: Beim