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Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 22/2017
Der große Schwund
Warum so viele Insekten und Vögel sterben
Der Inhalt:

Kolumne von Anne Lemhöfer: Noch einen Glühwein

Die Tage werden kälter. Die Kinder wälzen den Playmobilkatalog. Der Advent naht. Irgendwann dieser Tage wird mein Handy klingeln und Jule wird dran sein. Ich weiß genau, was sie will: einen Termin für einen Weihnachtsmarktbesuch ausmachen. Jules Anruf in der letzten Novemberwoche ist so sicher wie das Ho-Ho-Ho-Gerufe des Weihnachtsmannes auf der Einkaufsmeile, so sicher wie die ersten Spekulatius im Spätsommer. Ich werde rangehen und sagen, was ich immer sage. »Ja, tolle Idee! Ich bin dabei. Wen wollen wir noch fragen?« Auch das ist rhetorisch, Jan und Tine kommen mit, vielleicht Steffi, wenn sie gerade in Frankfurt ist.

Das Schönste an der Adventszeit ist, dass man immer genau weiß, was zu tun ist. Mag ich eigentlich Weihnachtsmärkte? Na klar. Ich habe sie das ganze Jahr vermisst. Das wird wunderbar. Die Arbeitswoche war hart, aber jetzt ist sie ja vorbei. Jan und Tine und Steffi kommen mit, die hab ich ewig nicht gesehen. Freunde treffen an einem sternenklaren Abend, in der Nase den Duft von gerösteten Maronen und Glühwein – himmlisch.

Das Zweitschönste an der Adventszeit ist, dass man wundersamerweise in der Lage ist, die Realität auszublenden. In Wahrheit gibt es nämlich kaum etwas Anstrengenderes als einen Weihnachtsmarktbesuch. Oder sagen wir: kaum etwas Ambivalenteres.

Ich krame in meinen Erinnerungen vom letzten Jahr. Bunte Lichter, Kartoffelpuffer, Holzpferdchen und Kräuterbonbons: Mag ich alles. Ach was: Ich liebe es. Leider geht das allen anderen auch so. Weihnachtsmarkt 2016, ich schiebe mich zentimeterweise vorwärts, das Handynetz ist zusammengebrochen, Jule nirgends zu sehen, dafür alle 700 000 Frankfurterinnen und Frankfurter vor mir, hinter mir, neben mi