Zur mobilen Webseite zurückkehren
Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 22/2017
Der große Schwund
Warum so viele Insekten und Vögel sterben
Der Inhalt:

»Israel fasziniert mich«

von Annette Lübbers vom 24.11.2017
Else Garske aus dem Hochsauerlandkreis engagiert sich seit dreißig Jahren in der Partnerschaftsarbeit mit Israel

Es sind vor allem die Menschen, an die ich mich erinnere, wenn ich an Israel denke. Etwa Frau Strauss. Die gebürtige Münchnerin lebte in einem Moshav, einem genossenschaftlich organisierten Dorf, nahe Megiddo. Eine hellwache, alte Dame, die immer sehr genau zwischen Anspruch und Wirklichkeit in ihrem Land zu unterscheiden wusste – und das bis zuletzt. Hundertundein Jahre wurde sie. An sie erinnere ich mich besonders gerne. Weniger gerne denke ich an meine erste Reise nach Israel 1977. Da war ich 28 Jahre und Mutter von zwei kleinen Kindern. Meine Familie war privat nach Jerusalem eingeladen worden. Was war ich froh, als ich wieder zu Hause war! Das viele Militär, die ständigen Kontrollen, die wuselige Altstadt, in der die Kinder so schnell verloren gehen konnten. Damals glaubte ich nicht, dass ich jemals wiederkommen würde. Aber ich kam wieder – auf Partnerschaftsreisen, privat oder als Reiseleiterin. Die Geschichte des Landes, die Natur, die Menschen – Israel fasziniert mich bis heute.

Der Hochsauerlandkreis unterhält seit 26 Jahren eine Partnerschaft mit dem israelische Landkreis Megiddo in Galiläa. 1996 übernahm ich die ehrenamtliche Geschäftsführung des Freundeskreises. Ich freue mich, dass an dessen Reisen nun auch jüngere Leute teilnehmen. Sie interessieren sich nicht so sehr für die biblischen Orte, sondern mehr für das politische und soziale Leben in Israel. Die Schoah haben wir Deutsche bei den Reisen natürlich immer im Hinterkopf. Der Besuch der Gedenkstätte Yad Vashem ist obligatorisch. Doch wir erleben auch viel Heiteres. Ich habe schon Tanzveranstaltungen in beiden Ländern organisiert, den Austausch von Musikern, Sängern und Chören und eine gemeinsame Woche zu Umweltfragen. Ich bin sicher: Begegnungen sind das beste Mittel gegen Vorurteile.

Natürlich bin ich mit der israelischen Politik nicht immer einverstanden. Aber ich verpacke meine Kritik lieber in offene Fragen. Also eher: »Welchen Politiker findest du gut?« Statt: »Netanyahu kann man doch nicht wählen!« Im Kreis von Freunden kann man auch offen diskutieren, etwa über die furchtbare Betonmauer, die Bethlehem von Israel trennt.

Manchmal begegne ich Deutschen, die mein Engagement nicht verstehen und Sätze sagen wie: »Die Juden sind genauso schlimm wie die Nazis. Was die den Palästinensern antun.« Ich versuche dann, gelassen zu bleiben

Wählen Sie Ihren Zugang und lesen Sie direkt weiter.

Digital-Zugang
  • Alle über 20.000 Artikel auf publik-forum.de frei lesen und vorlesen lassen
  • Die aktuellen Ausgaben von Publik-Forum als App und E-Paper erhalten
  • 4 Wochen kostenlos testen
Digital-Zugang für "Publik-Forum"-Print-Abonnenten
  • Ergänzend zu Ihrem Print-Abonnement
  • Alle über 20.000 Artikel auf publik-forum.de frei lesen und vorlesen lassen
  • Die aktuellen Ausgaben von Publik-Forum als App und E-Paper erhalten
  • 4 Wochen kostenlos testen