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Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 22/2014
Bildung statt Bologna!
Was die europäische Studienreform angerichtet hat
Der Inhalt:

Buch des Monats: Wer rettet die Erde?

von Norbert Copray vom 21.11.2014
Was der Heilige Geist mit der Erhaltung allen Lebens zu tun hat

Leonardo Boff
Der Heilige Geist
Feuer Gottes – Lebensquell – Vater der Armen. Herder. 288 Seiten. 29,99 €

Einer »Kultur der Verwüstung im Dienst unbegrenzten Wachstums« setzt der brasilianische Theologe Leonardo Boff »eine Kultur der Erhaltung allen Lebens« entgegen, dem vom Menschen geprägten Zeitalter, dem Anthropozän, das Ökozän. Boff: »Der Mensch erweist sich als der große Meteor, der auf die Erde zurast und sie bedroht; er erweist sich als derjenige, der seine Selbstzerstörung und die perverse Schädigung der Erde, der lebendigen Gaia, wählen kann, anstatt seinen Lebensstil und sein Verhältnis zur Natur und zur Mutter Erde zu ändern.« In dieser Situation erfleht und erkundet der ehemalige Franziskanerpater den Heiligen Geist, jene Kraft und Energie Gottes, die die Erde zu erneuern vermag.

Leonardo Boff, der von der vatikanischen Glaubenskongregation in den 1980er-Jahren hart gemaßregelt wurde und 2001 den Alternativen Nobelpreis verliehen bekam, bezieht sich auf die entscheidenden Umbrüche des gegenwärtigen Zeitalters und die großen Krisen der Gegenwart. Der Prozess der sozial-ökologischen Erneuerung, für die er den Heiligen Geist in Anspruch nimmt, speist sich für ihn aus zwei Quellen: aus der Kirche der Befreiung, welche die Solidarität mit den Armen zum Angelpunkt gemeindlicher Praxis macht; und aus der charismatischen Bewegung, die durch Gebet und eine »geisterfüllte« Grundhaltung »die emotionale Intelligenz und die empfindsame Vernunft des Herzens« für das Glaubensleben und das Engagement erschließt.

Den Heiligen Geist sieht Boff bereits vielfältig am Werk. Er schreibt ihm die Fortschritte zu, die zu mehr Humanität, ökologischem Verhalten, sozialer Solidarität und einer entschiedenen Friedenspraxis führen. Dabei ist er sich durchaus der Ambivalenz mancher Entwicklungen und Trends bewusst. Er sieht auch die Defizite der charismatischen Bewegung und der Befreiungspraxis.

Kernstück seiner Gedanken ist die »Wiederaneignung des Wortes ›Geist‹«. Boff verbindet es mit der Beschreibung von Phänomenen, in denen sich der Geist zeige: in der Kraft der Natur, in Prophetie und Poesie, in den Begabungen der Menschen. Die Grunderfahrungen von Heiligem Geist bedenkt er vom Animismus und Schamanismus her bis hin zur modernen Kosmologie, die das »Universum als Tempel des Heiligen Geistes« erscheinen las

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