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Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 22/2014
Bildung statt Bologna!
Was die europäische Studienreform angerichtet hat
Der Inhalt:

»Unsichtbar = integriert?«

Ein Gespräch mit der Sozialwissenschaftlerin Naika Foroutan über Multikulti, Integrationskurse für Deutsche und neue Konzepte der Einwanderungspolitik

Publik-Forum: Integration in Deutschland: Gelungen oder missglückt? Was meinen Sie?

Naika Foroutan: Das kommt stark auf den Integrationsbegriff an. Integration bedeutet zunächst einmal Teilhabe, Chancengerechtigkeit und Partizipation. Das betrifft nicht nur Migranten, sondern genauso deutsche Hartz-IV-Empfänger. In den vergangenen dreißig Jahren ist der Begriff aber stark verengt worden. Wenn man heute »Integration« sagt, hat jeder sofort Migranten vor Augen. Aber auch nicht alle Migranten – an Dänen oder Amerikaner denken dabei nicht viele.

Woran liegt das?

Foroutan: Wir hatten hier lange die Idee einer Kerngesellschaft – das deutsche Volk –, und die Anderen mussten sich in diesen Kern integrieren. Das aber ist Assimilation: Erst wer verschwunden und unsichtbar ist, gilt als integriert. Dänen oder Amerikaner sind das eben schnell und werden deshalb meistens als integriert angesehen, weil man ihnen die andere Herkunft nicht ansieht. Türken und Araber hingegen sind sichtbar. Ich glaube, nach dem Trauma zweier Weltkriege gibt es in Deutschland eine starke Sehnsucht, sich selbst definieren zu wollen. Und die Suche nach einer positiven Selbstidentifikation gelingt besser, wenn man sich von den Anderen abgrenzen kann.

Multikulti ist also gescheitert?

Foroutan: Um das Jahr 2000 war diese Position mehrheitsfähig, aber sie ist es nicht mehr. Neueste Zahlen besagen, dass 67 Prozent der Deutschen Einwanderung mehr als Chance denn als Gefahr begreifen. Der Sachverständigenrat für Integration und Migration erhebt schon seit vier Ja