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Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 22/2014
Bildung statt Bologna!
Was die europäische Studienreform angerichtet hat
Der Inhalt:

Kolumne von Anne Lemhöfer: Joker unterm Baum

Ich gestehe: Ich werde gern zu meinem Glück gezwungen. Deshalb freue ich mich, wenn mir jemand einen Gutschein schenkt. Der Gutschein gilt nämlich völlig zu Unrecht als das Schmuddelkind unter den Geschenken. Ein Sushi-Kochkurs, eine Yoga-Schnupperstunde, eine Stadttour mit dem Fahrrad durch meine eigene Stadt: Das sind lauter Dinge, die ich mir selbst nie kaufen würde, die ich aber voller Freude in Form eines kleinen Papierstücks entgegennahm. Von netten Kollegen, Freundinnen, meiner Schwiegermutter. Das waren großartige Präsente. Bloß, dass ich sie immer so schamhaft überreicht bekam, als handle es sich um knallfarbiges Sexspielzeug: »Wir haben lange überlegt und dachten, vielleicht gefällt’s dir ja …«

Der Gutschein gilt als unkreativ. Doch die Vorweihnachtszeit ist ein guter Anlass, um es mal wieder zu sagen: Es gehört zu den Großirrtümern der Menschheit, dass Geschenke kreativ sein müssen. Müssen sie nämlich nicht. Geschenke haben eine einzige Aufgabe: den Beschenkten glücklich zu machen. Und nicht, den Einfallsreichtum des Schenkers in den Mittelpunkt zu rücken. Für mich darf’s gern etwas langweiliger sein. Ich bekomme sogar die zweite Sorte Papierstück gern: den handelsüblichen Warengutschein – zugegeben lieber von großen Geschäften mit breiter Produktpalette als den von Miniboutiquen mit Öffnungszeiten von 10.30 bis 14 Uhr (außer dienstags und donnerstags). Ich würde sogar so weit gehen zu sagen: Je unpersönlicher, desto besser. Gutscheine für die Shoppingmall oder den Internetversand sind Jokergeschenke, weil jeder halbwegs normale Erwachsene dort irgendetwas Tolles findet. Trotzdem traue ich mich das meistens nicht. Da kann man ja auch gleich einen vom Aldi schenken oder aus der Dr