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Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 22/2014
Bildung statt Bologna!
Was die europäische Studienreform angerichtet hat
Der Inhalt:

Ein schützendes Dach für die Toten

von Hartmut Meesmann vom 21.11.2014
Die Kirche Sankt Elisabeth in Mönchengladbach ist eine »Grabeskirche«. In ihr findet die Asche Verstorbener in Urnengrabstätten ihre letzte Ruhestätte. Doch das ist nicht alles

Der erste Eindruck von außen: Oh ja, das passt. Die große braune, massiv und etwas düster wirkende Kirche im Bauhausstil mit dem langen Hauptschiff könnte, in einem kleineren Format, gut zu einem Friedhof gehören. Sankt Elisabeth im Mönchengladbacher Stadtteil Eiken ist seit 2009 eine »Grabeskirche«. An diesem Ort findet die Asche Verstorbener in Urnen ihre letzte Ruhestätte.

Betritt man das Innere von Sankt Elisabeth: keine Düsternis. Im Gegenteil: Die Wände sind hell gestrichen, dadurch wirkt der Raum freundlich und harmonisch. Die Grabkammern mit den Urnen befinden sich in Stelen in der Mitte der Kirche und im hinteren Apsis-Teil oder seitlich an den Wänden unter runden Kirchenfenstern, die Szenen aus der Bibel und die »sieben Werke der Barmherzigkeit« darstellen. Zu diesen Werken der Barmherzigkeit zählt auch »Tote bestatten« – es ist das Leitmotiv für die kirchliche Arbeit an diesem Ort.

Wie wird eine Kirche zur einer Begräbnisstätte? Die katholische Kirchengemeinde Sankt Elisabeth verlor ihre Eigenständigkeit, da die Zahl der Mitglieder über die Jahre immer kleiner wurde. Doch was sollte aus der Kirche werden? Diese Frage beschäftigte die Gemeinde. Abreißen? Verkaufen? Der damalige Pfarrer brachte die Idee einer Grabeskirche in die Diskussion. In Aachen war zuvor die bundesweit erste Urnenkirche eröffnet worden.

Die Kirchengemeinde stimmte der Idee zu: Und so ist die Kirche in Obereiken heute ein stadtbekannter Begräbnisort für Urnen und zugleich ein katholisches Zentrum für Trauerpastoral: Es geht dort um alle Fragen rund ums Sterben und den Tod. Träger des Zentrums ist die Gemeinde Sankt Vitus in Untereiken, in der Sankt Elisabeth aufgegangen ist.

Die Urnengrabstätten in der Kirche sind jeweils mit Natursteinplatten in unterschiedlichen Farbtönen verschlossen. Darauf sind der Name des oder der Toten eingraviert, das Geburtsdatum und der Todestag sowie eines der Symbole, die zur Auswahl stehen: ein Kreuz, ein Fisch oder ein Kreis. Neben Einzelbelegungen sind auch Doppelgrabstätten möglich. Über 3000 Urnenplätze sind in der Kirche vorhanden, fast 900 davon sind schon belegt.

Überall auf dem Boden stehen Blumenvasen und rote Teelichter, in denen Kerzen für die Verstorbenen flackern. Vor einer der Stelen sitzt eine Frau in stiller Trauer. Kurz zuvor war di

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