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Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 22/2013
Konzerne im Klassenzimmer
Wie die Wirtschaft Einfluss auf die Schule nimmt
Der Inhalt:

Raus aus der Warteschleife

von Dirk Baas vom 22.11.2013
Wie benachteiligte Jugendliche den Weg zur Lehrstelle finden

Sascha Z. will endlich durchstarten. Sagt er zumindest. Zeit wird es. Er ist 21 Jahre alt und noch ohne Ausbildung. Jetzt wittert der junge Mann mit der trendigen dunklen Brille Morgenluft – als »Jobling« im hessischen Bensheim. An zehn Standorten in Deutschland nimmt die Organisation »Joblinge« benachteiligte Jugendliche unter ihre Fittiche. Das Motto lautet: Praxis vom ersten Tag an.

»Wir versuchen, für Jugendliche mit schwierigen Startbedingungen noch eine Tür aufzumachen«, sagt Kadim Tas, Projektleiter der Joblinge gemeinnützige AG FrankfurtRheinMain, zu der der Standort Bensheim gehört. Von einer Null-Bock-Mentalität will der Prokurist nichts hören. »Die meisten Jugendlichen wollen raus aus der Abhängigkeit von Hartz IV.« Dafür hangelten sie sich mit viel Einsatz von Praktikum zu Praktikum.

Nach Angaben der Joblinge-Dachorganisation in München hat jeder zweite Hauptschulabgänger ein Jahr nach Schulende noch keinen Ausbildungsplatz. Rund 300 000 Jugendliche befinden sich im umstrittenen sogenannten Übergangssystem. Dort stecken die jungen Arbeitslosen in einem Teufelskreis, beklagen die Gewerkschaften und fordern eine Ausbildungsplatzgarantie für alle Schulabgänger – statt das teure Übergangssystem zu finanzieren, das für viele Jugendliche ohne Abschlusszeugnis zur Warteschleife wird.

Das Projekt »Joblinge« geht einen anderen Weg: vorgeschaltetes Sozialpraktikum der Bewerber, dann Betreuung durch ehrenamtliche Mentoren, Erwerb von Schlüsselqualifikationen und sozialer Kompetenz in speziellen Kursen, Praktika in Partnerunternehmen. Im Idealfall steht am Ende die Vermittlung jedes Joblings in eine Ausbildung.

»Wir erreichen standortübergreifend mit 65 Prozent weit überdurchschnittliche Vermittlungsquoten«, sagt Kadim Tas. Für ihn hat der Erfolg viele Väter: Bei Joblinge engagierten sich Firmen, Kommunen, Behörden und Zivilgesellschaft gemeinsam und stellten ein großes Netzwerk an Kontakten zur Verfügung. Bundesweit wurden bisher 1300 Jugendliche unterstützt.

Entwickelt wurde die Idee von der Unternehmensberatung The Boston Consulting Group und der Eberhard von Kuenheim Stiftung der BMW AG. 2008 nahm die erste Joblinge gAG ihre Arbeit in Zwiesel im Bayerischen Wald auf. Bundesweit gibt es inzwisc

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