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Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 22/2013
Konzerne im Klassenzimmer
Wie die Wirtschaft Einfluss auf die Schule nimmt
Der Inhalt:

Der mit dem reinen Gewissen

von Juliane Rutsch vom 22.11.2013
Der Bürgerrechtler Alberto Patishtán saß dreizehn Jahren in Mexikos Gefängnissen. Krank, unschuldig und voll Lebensmut

Sehr zerbrechlich wirkt der 42-Jährige, als er über den Krankenhausflur geht. Er lässt sich Zeit, die Tür zu seinem Zimmer zu öffnen. Seit einem Monat ist Alberto Patishtán in Mexiko-Stadt in Behandlung. Sein Hirntumor ist weiter gewachsen. Er drückt neuerdings auf den Sehnerv. Patishtán hat Glück, dass er hier sein kann und nicht in seiner Gefängniszelle die Zeit totschlagen muss. »Das Leben im Gefängnis ist sehr hart. Dort versuchen sie es uns so schwer wie möglich zu machen«, sagt er.

Vor dreizehn Jahren war Alberto Patishtán ein Anführer der indigenen Bürgerrechts- und Protestbewegung im zurückgebliebenen Bundesstaat Chiapas in Südmexiko. Damals kämpften der Bischof von San Cristóbal de las Casas, Samuel Ruiz, sowie die Zapatistische Befreiungsarmee in Chiapas für die Rechte der Indios. Der Junglehrer Alberto Patishtán trat für die Rechte der missachteten Indio-Völker ein. Er deckte Ungerechtigkeiten auf, zum Beispiel die trickreichen Veruntreuungen des örtlichen Bürgermeisters. Doch mit diesem Fall nahm das Leben des Mannes aus dem Volk der Tzotzil eine schlagartige Wende. Im Sommer 2000 wurde Patishtán auf dem Weg zur Arbeit festgenommen. Bis heute saß er dreizehn Jahre lang in mehreren Hochsicherheitsgefängnissen. »In Mexiko werden wir Indigenas hochgradig diskriminiert. Wir haben kein Geld und keinen Einfluss im Land, und deshalb werden wir oft zur Zielscheibe«, sagt Patishtán.

Zu sechzig Jahren Haft wurde er verurteilt, weil Patishtán sieben Polizisten in einem Auto erschossen haben soll. Mehrere Zeugen geben jedoch an, ihn zur Tatzeit auf einer öffentlichen Veranstaltung weit entfernt vom Tatort gesehen zu haben. Diese Zeugenaussagen wurden neben weiteren Unschuldsbeweisen während des Prozesses unterschlagen. Verschiedene Menschenrechtsorganisationen, darunter Amnesty International, kämpften seither für seine Freilassung. »Es muss sich endlich etwas tun in Mexiko. Wenn wir es weiterhin zulassen, werden Menschen dort noch in hundert Jahren unschuldig im Gefängnis sitzen«, betont Daniel Zampico Alonso von Amnesty International.

Patishtán nimmt Platz auf einer kleinen Couch in seinem Krankenzimmer. Den Arm legt er auf die Couchlehne und lehnt sich entspannt zurück. Der Lehrer lächelt, wie jemand, der mit sich im Reinen ist. Trotz aller Schwierigkeiten und lebensbedro

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