Zur mobilen Webseite zurückkehren
Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 22/2013
Konzerne im Klassenzimmer
Wie die Wirtschaft Einfluss auf die Schule nimmt
Der Inhalt:

Das Eigene und das Fremde

von Claudia Mende vom 22.11.2013

Interreligiöse Dialogrunden gibt es viele, aber oft bleibt nach dem gemeinsamen Gespräch das schale Gefühl, aneinander vorbeizureden. Mit einen Grundlagenwerk, das sich über die wichtigsten Begriffe in Christentum und Islam verständigt, soll sich das jetzt ändern. Ein gemeinsames Lexikon, herausgegeben von der Eugen-Biser-Stiftung in München und der Islamisch-Theologischen Fakultät der Universität Ankara, bietet erstmals eine parallele Darstellung zweier monotheistischer Religionen in einem Werk. Sieben Jahre lang haben rund hundert christliche und muslimische Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler an dem Projekt gearbeitet. Mit Fördergeldern aus dem Europäischen Integrationsfonds konnte die aufwendige Kooperation finanziert werden.

Zentrale Begriffe aus beiden Religionen werden behandelt, von »Abendmahl« bis »Zwölferschiiten«, von »Antisemitismus« bis »Zwangsheirat«. Dabei überwiegt auf islamischer Seite die sunnitische Perspektive; schiitische Blickweisen kommen nur untergeordnet vor. Die muslimischen Artikel stammen überwiegend von Professoren der Universität Ankara. Die Auswahl der Autoren sei »mit Offenheit für die Zukunft und mit der nötigen Traditionskritik« erfolgt, betont Richard Heinzmann, emeritierter Professor für Christliche Philosophie in München und wissenschaftlicher Leiter des Projekts. Es gab keine Einmischung, weder vom türkischen Religionsministerium noch von den christlichen Kirchen.

Das hat die Verständigung erleichtert, etwa beim Eintrag zum Thema »Religionsfreiheit«. Heinzmann schreibt, dass Religionen einem historischen Prozess unterworfen seien. Das Christentum habe bis ins 20. Jahrhundert die Religionsfreiheit mit Füßen getreten. Die türkischen Wissenschaftler betonen: »Religionen, die keine Religionsfreiheit anerkennen, haben in einer Demokratie nichts zu suchen«, und räumen Defizite in der islamischen Welt ein.

An einigen Stellen gelingt es, uralte Kontroversen zu entschärfen. Zum Beispiel erheben die Muslime nicht mehr den Vorwurf, das Christentum sei polytheistisch (wegen der Trinitätslehre). »Wir haben viel voneinander gelernt«, resümiert Ayse Basol vom Institut für Kultur und Religion des Islams an der Frankfurter Goethe-Universität, die die Übersetzungen koordiniert hat. Jetzt will die Eugen-Biser-Stiftung das Projekt

Wählen Sie Ihren Zugang und lesen Sie direkt weiter.

Digital-Zugang
  • Alle über 20.000 Artikel auf publik-forum.de frei lesen und vorlesen lassen
  • Die aktuellen Ausgaben von Publik-Forum als App und E-Paper erhalten
  • 4 Wochen kostenlos testen
Digital-Zugang für "Publik-Forum"-Print-Abonnenten
  • Ergänzend zu Ihrem Print-Abonnement
  • Alle über 20.000 Artikel auf publik-forum.de frei lesen und vorlesen lassen
  • Die aktuellen Ausgaben von Publik-Forum als App und E-Paper erhalten
  • 4 Wochen kostenlos testen