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Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 22/2013
Konzerne im Klassenzimmer
Wie die Wirtschaft Einfluss auf die Schule nimmt
Der Inhalt:

Das Alte bröckelt

von Norbert Scholl vom 22.11.2013
Warum Papst Franziskus eine eigene Kommission zur Reform der (römischen) Theologie einsetzen sollte

Papst Franziskus hat mit viel Mut und bewundernswertem Engagement die dringend erforderliche, aber dauernd verschleppte und an subtilen Widerständen immer wieder scheiternde Reform der römischen Kurie in Angriff genommen (Publik-Forum 20/2013). Doch er hat es noch nicht gewagt, auch eine dringend notwendige Reform der (römischen) Theologie in die Wege zu leiten. Denn diese Reform ist notwendig, aber auch gefährlich.

Fundament des christlichen Glaubens sind Ereignisse, die in den Schriften des Alten und Neuen Testaments ihren Niederschlag gefunden haben. Sie spiegeln die Geschichte und Kultur des Vorderen Orients jener Zeit, seine Denkweise und seine religiösen Vorstellungen. Mit dem Eintreten in die griechisch-römische Welt musste die christliche Botschaft aus dem semitisch-jüdischen Denkhorizont in den griechisch-römischen übertragen werden. Die daraus entstandenen Glaubensformeln sind wesentlich geprägt vom religiösen, politischen, gesellschaftlichen und kulturellen Kontext einer ganz anderen Umwelt.

Inzwischen hat der christliche Glaube längst auch diesen Verständnis- und Deutungshorizont verlassen. Es genügt heute nicht mehr, die alten Formeln zu konservieren und sie »rein« und unversehrt von Generation zu Generation weiterzureichen. Ein neuer Übersetzungsprozess in die Welt der Postmoderne ist erforderlich.

Vor allem drei »Krisengebiete« zeichnen sich als dringend reformbedürftig ab: das Gottesbild (I); das Verständnis Jesu als »Sohn Gottes« (II); und das Bild Gottes als »Gott in drei Personen« (III).

I. Der Mainzer Kardinal Karl Lehmann erklärte 2004 in einem Vortrag: »Das Zweite Vatikanische Konzil konnte noch relativ beruhigt von Gott reden und das Bekenntnis an ihn voraussetzen. Inzwischen sind alle Selbstverständlichkeiten, wenn sie es je waren, in diesem Bereich Vergangenheit. Eine schleichende Säkularisierung … hat auch radikal und tief das religiöse Bewusstsein erfasst. Alles kommt darauf an, stets wieder von Neuem das Antlitz des lebendigen Gottes zu suchen. Darum steht eine Erneuerung der Frage nach Gott an erster Stelle aller Aktivitäten.«

Die Ursachen für die »Gotteskrise« sind vielfältig. Sie kommen von außen und von innen: Einerseits stellen Philosophie, Naturwissenschaften (insbesondere Neurophysiologie, Astrophysik und Evolutionstheor

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