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Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 22/2013
Konzerne im Klassenzimmer
Wie die Wirtschaft Einfluss auf die Schule nimmt
Der Inhalt:

Aufwachen, Europa!

von Wolfgang Kessler vom 22.11.2013
Spähaffäre und Freihandel: Barack Obama provoziert Europa, um die Macht der USA zu sichern. Der alte Kontinent muss reagieren

Barack Obama provoziert die Europäer, allen voran die Deutschen, immer von Neuem. Kaum war er in Berlin, brachte er die Vision einer gigantischen Freihandelszone zwischen den USA und der Europäischen Union ins Spiel. Wenig später stellte sich heraus, dass die Europäer von US-Geheimdiensten großräumig ausgespäht werden, einschließlich Bundeskanzlerin Angela Merkel – und auch der Präsident war eingeweiht.

Es wäre ein Schelm, wer diese Provokationen eines zutiefst rational handelnden Politikers für zufällig hielte. Nein, die US-Administration hat dafür klare Gründe, und sie liegen in der Entwicklung der vergangenen fünf Jahre. Fast verzweifelt versuchen die US-Amerikaner, jenen Verlust an Weltmacht wettzumachen, den sie im Zuge der Finanzkrise erlitten haben. Doch sie geben nicht auf. Koste es, was es wolle – und es kostet viel.

Die Finanzkrise hat die wirtschaftlichen Schwierigkeiten der Weltmacht USA offenbar werden lassen und die globalen Machtverhältnisse kräftig durcheinandergewirbelt. Erst durch den Crash wurde deutlich, dass die US-Wirtschaft weltweit nicht mehr konkurrenzfähig ist – sieht man einmal von großen IT-Konzernen wie Google, Apple und Co. ab. Wer jedoch viel mehr importiert als exportiert wie die USA, der hat hohe Auslandsschulden, hängt am Tropf der Gläubiger. Das ist besonders bedrohlich, wenn der wichtigste Gläubiger China heißt und eine Diktatur ist, die liebend gerne selbst die globale Nummer eins wäre.

Doch China ist längst nicht die einzige Nation, von der die US-Amerikaner abhängig sind. Aufgrund ihres immens hohen Verbrauchs an fossilen Rohstoffen hängen sie am Tropf von umstrittenen Rohstoff-Lieferanten wie Saudi-Arabien oder von Ländern wie Russland.

Barack Obama hat diese Abhängigkeiten nicht zu verantworten. Aber er will sich von ihnen befreien und tut alles, um die globale Dominanz der USA wiederherzustellen. So fördert seine Regierung die ökologisch umstrittene Fracking-Technik, um Gas aus dem Boden zu pumpen und die Abhängigkeit von den Öllieferanten zu brechen.

Die geplante Freihandelszone mit der Europäischen Union soll den Amerikanern die europäischen Märkte öffnen – und den Absatz steigern. Egal, ob es sich um Softwarehersteller, Industrieunternehmen, Banken oder Versicherungen handelt, um

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