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Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 22/2012
Leben gegen die Angst
Die Gesellschaft ist gelähmt. Doch die Kirchen nutzen ihre Kraft nicht
Der Inhalt:

Fröhlich, tragisch, ökumenisch …

von Hartmut Meesmann, Bettina Röder vom 23.11.2012
500 Jahre Reformation im Jahr 2017: Wird eine »heilende Erinnerung« möglich werden? Und wie wird sich die katholische Kirche an den Feierlichkeiten beteiligen?

Martin Luther allerorten: als Luther-Zwerg zum Schnäppchenpreis von 250 Euro zu haben; aus Anlass des Reformations-Themenjahrs »Musik« 2012 als Konterfei mit Kopfhörer und Mikrofon auf der Internetseite der bayrischen Landeskirche; als Luther-Rose, die seit vier Jahren bundesweit an besonders lobenswerte Unternehmer vergeben wird. Und dann ist da natürlich auch das Gedenken an Luthers Hochzeit, alljährlich im Juni. In diesem Jahr waren es mehr als 120 000 Menschen, die Kosten und Mühe nicht scheuten, um eigens nach Wittenberg an die Wirkungsstätte des Reformators zu reisen.

Ein Jubiläum wirft seine Schatten voraus: Im Jahr 2017 liegt die Veröffentlichung der 99 Thesen an der Schlosskirche zu Wittenberg genau 500 Jahre zurück; jene Thesen, die die Kirche und auch die Welt gründlich verändert haben. Nach den Vorstellungen der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) jedenfalls soll das Ereignis gebührend begangen werden.

Von der sogenannten Luther-Dekade sind fünf Jahre der Vorbereitung bereits vergangen. Ein Kuratorium hochrangiger Vertreter aus Kirche und Politik hat für einige Events und die Themenjahre gesorgt, die auf das Ereignis einstimmen sollen. »Mit der Musik in diesem Jahr hat das ja ganz gut geklappt, schauen wir mal, wie es im nächsten Jahr aussieht, wenn die Toleranz auf der Tagesordnung steht«, sagt Axel Noack. Als ehemaliger Bischof der Kirchenprovinz Sachsen gehörte er dem Kuratorium zur Lutherdekade an. Heute sitzt er als Historiker in der Lutherstadt Halle.

Hat das Luther-Gedenken den Menschen heute noch etwas zu sagen? Aus Noacks Sicht nur, wenn Luthers Botschaft für die ganze Welt deutlich wird – und nicht nur für die Christen. Dazu gehöre vor allem die Betonung der Gewissensfreiheit des Einzelnen und die Forderung nach einer Begrenzung obrigkeitlicher Macht. Heute, sagt der Theologe, kranke die Gesellschaft vor allem am Verlust des gegenseitigen Vertrauens. Luther habe sich zwar gegen die Schwärmer gewendet, die geglaubt hätten, man brauche kein Gesetz und keine Ordnung; doch habe Luther gleichzeitig auch gegen jene gewettert, die glaubten, man könne mit dem Gesetz alles regeln. Auch heute sei die Gesellschaft geprägt von dem Wunsch, alles und jedes absichern zu wollen. »Wir sind eine Gesellschaft von Schlupflochsuchern und Schlupflochstopfern geworden«, sagt Axel Noack. »Die einen suchen sie, die anderen versuche

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