Zur mobilen Webseite zurückkehren
Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 22/2012
Leben gegen die Angst
Die Gesellschaft ist gelähmt. Doch die Kirchen nutzen ihre Kraft nicht
Der Inhalt:

Die andere Kirchensteuer

von Eckart Grulke vom 23.11.2012
Jedes Kirchenmitglied sollte einen finanziellen Beitrag zahlen – das wäre gerecht. Und würde so manchen Austritt verhindern

In den letzten Jahrzehnten sind beständig Einkommenssteuerzahler wegen der Höhe der Kirchensteuer aus den Kirchen ausgetreten. Die finanzielle Last der Kirchen muss von immer weniger Schultern getragen werden, was diese Menschen zunehmend als unverhältnismäßig empfinden. Noch ist die Einnahmesituation der Kirchen – durch die aktuell gute Konjunktur – einigermaßen erträglich. Aber erstens kann sich das schnell ändern. Und zweitens nimmt die Akzeptanz der Kirchensteuer bei denen, die noch Kirchensteuer zahlen, immer mehr ab.

Ich bin nicht grundsätzlich gegen die Kirchensteuer. Sie hat viele Vorteile. Aber für Normalverdiener sind acht oder neun Prozent von der Einkommenssteuer – immerhin fast ein Zehntel – einfach zu viel. Es sind zu viele Menschen durch diese finanzielle Überforderung aus den Kirchen hinausgegrault worden – obwohl sie oft ein positives Verhältnis zur Kirche haben.

Meines Erachtens muss der Steuersatz radikal gesenkt werden – vielleicht auf die Hälfte. Auch müsste über eine Deckelung nach oben nachgedacht werden. Gleichzeitig sollte aber die Arbeit der Kirchen darunter nicht leiden. Deshalb müsste ein Modus gefunden werden, wie die finanzielle Last auf deutlich mehr Schultern verteilt werden kann. Das könnte – zusätzlich zum Kirchensteuereinzug – durch ein Mitgliedsbeitragssystem für das riesige Heer der beitragsfreien Kirchenmitglieder (Rentner, Studierende, Hausfrauen und -männer) geschehen. Zu überlegen wäre, ob und wie ein ehrenamtlicher Einsatz ermäßigend berücksichtigt werden kann. Grundsätzlich sollte gelten: Jedes erwachsene Kirchenmitglied zahlt einen Obolus, gestaffelt nach Einkommen, von sozialen Härtefällen abgesehen. Ein Mitgliedsbeitrag wird ja auch von jedem Mitglied im Sportverein akzeptiert. Das würde dem Gerechtigkeitsempfinden der Kirchensteuerzahler wieder entsprechen. Ich glaube, dass in der Folge viele Gutverdienende wieder in die Kirche zurückkämen, wenn diese ihnen deutlich die Hand entgegenstreckte. Denn ich beobachte bei vielen Menschen ein Unbehagen darüber, dass der Rest der Familie in der Kirche ist und sich an der kirchlichen Arbeit vielleicht sogar ausgiebig beteiligt – sie selber aber außen vor sind.

Natürlich wäre der Aufbau eines zusätzlichen Mitgliedsbeitragssystems mit einem großen organisatorischen Anfangsaufwand verbunden. Aber um den werden die Kirchen nicht herumkommen, wenn sie ein System anstreben, das zukun

Wählen Sie Ihren Zugang und lesen Sie direkt weiter.

Digital-Zugang
  • Alle über 20.000 Artikel auf publik-forum.de frei lesen und vorlesen lassen
  • Die aktuellen Ausgaben von Publik-Forum als App und E-Paper erhalten
  • 4 Wochen kostenlos testen
Digital-Zugang für "Publik-Forum"-Print-Abonnenten
  • Ergänzend zu Ihrem Print-Abonnement
  • Alle über 20.000 Artikel auf publik-forum.de frei lesen und vorlesen lassen
  • Die aktuellen Ausgaben von Publik-Forum als App und E-Paper erhalten
  • 4 Wochen kostenlos testen