Zur mobilen Webseite zurückkehren
Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 22/2012
Leben gegen die Angst
Die Gesellschaft ist gelähmt. Doch die Kirchen nutzen ihre Kraft nicht
Der Inhalt:

Wenn Träume Töne formen

von Josefine Janert vom 23.11.2012
Die Ordensfrau Angelika Kollacks bietet in einem Berliner Plattenbaubezirk Lebensberatung an. Dabei helfen ihr Trommeln, Rasseln und andere Instrumente. Über Gott redet sie nur selten

Ssst. Ssst … Es plätschert leise, dann lauter und wieder zaghaft. Die Schwingungen erreichen nicht nur das Trommelfell, sondern auch den Bauch. Er vibriert mit. Das Gehirn wundert sich – so viel Klang im Körper, trotz des Kuchens vorhin, trotz der hektischen Fahrt durch die Millionenstadt?

Schließlich wird der Geist ruhig. Die vier Frauen lassen ihre Instrumente sinken, Rassel, Ocean Drum und Regenmacher. Schauen gespannt in die Runde. Welches der vier Elemente Feuer, Wasser, Luft und Erde haben sie eben dargestellt? »Wasser«, schlägt eine Zuhörerin vor. Richtig. Das sanfte »Ssst« stand für Tropfen. Eine andere Frau hat das Brausen des Meeres erkannt. Auch richtig. Die Zuhörerinnen sind sich einig, dass die Frauen an den Instrumenten überzeugt haben. Die Schwingungen entspannen, gleichzeitig sind alle voll und ganz bei der Sache.

Angelika Kollacks nickt zufrieden. Sie ist Jahrgang 1949, hat graues, kurzes Haar und weiche Gesichtszüge. Hinter Brillengläsern blitzen blaue Augen. Wer sie so sieht in heller Bluse und dunkler Hose, würde in ihr kaum die Ordensfrau erkennen. Doch Angelika Kollacks ist Missionsärztliche Schwester. Zu dieser Ordensgemeinschaft innerhalb der katholischen Kirche gehören weltweit 620 Frauen. Sie sehen die »ganzheitliche Heilung« als ihre Mission an.

Schwester Angelika ist im Berliner Bezirk Marzahn-Hellersdorf tätig. Von den mehr als 250 000 Einwohnern bekennen sich nach Angaben des Statistischen Landesamtes gerade einmal 20 600 zum evangelischen und 8600 zum römisch-katholischen Glauben. Das sind zusammen 11,7 Prozent. An einem Ort, wo viele Menschen nicht einmal wissen, was eine Ordensfrau und was ein Altar ist, wäre das tägliche Tragen einer Ordenstracht unangemessen, findet Schwester Angelika.

Gerade ist sie dabei, sich auszutauschen. Ihre Gäste kommen aus Hamburg, Hildesheim und Osnabrück. Die elf Frauen arbeiten in Einrichtungen der katholischen Kirche hauptamtlich als Seelsorgerinnen und Beraterinnen. Sie sind in Berlin, um die Missionsärztlichen Schwestern und andere soziale Angebote der katholischen Kirche kennenzulernen. Die Armut hat sie erschreckt, die Menschen, die in der U-Bahn betteln, der Körpergeruch eines Obdachlosen im Berliner Dom.

Nun also Marzahn-Hellersdorf. Der Stadtteil steht mit knapp 20 000 Arbeitslosen nic

Wählen Sie Ihren Zugang und lesen Sie direkt weiter.

Digital-Zugang
  • Alle über 20.000 Artikel auf publik-forum.de frei lesen und vorlesen lassen
  • Die aktuellen Ausgaben von Publik-Forum als App und E-Paper erhalten
  • 4 Wochen kostenlos testen
Digital-Zugang für "Publik-Forum"-Print-Abonnenten
  • Ergänzend zu Ihrem Print-Abonnement
  • Alle über 20.000 Artikel auf publik-forum.de frei lesen und vorlesen lassen
  • Die aktuellen Ausgaben von Publik-Forum als App und E-Paper erhalten
  • 4 Wochen kostenlos testen