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Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 22/2011
Die Lust am Selberdenken
Der Inhalt:

Douglas Rokke kennt die tödliche Wahrheit

vom 04.05.2012
Aber er darf nicht sagen, dass die USA im Irakkrieg mutwillig und wissentlich ganze Landstriche mit Urangeschossen verseucht haben

Doug Rokke sitzt auf dem Rand eines Stuhles in einem beigefarbenen Allerweltsraum in einem Hotel in Carlton. Er starrt mit einer fast peinlichen Intensität vor sich hin und ist den Tränen nahe. »Es ist einsam«, sagt er langsam, »es ist sehr einsam. Ich traf eine Entscheidung. Mir wurde eine Arbeit gegeben. Ich machte meine Arbeit. Ich lernte etwas. Ich gab ihnen eine Antwort, die sie nicht wollten. Ich wurde eine persona non grata. Die schönere Zeit meines Lebens ist vorbei.« So äußert sich Rokke, der ein Pentagon-Experte für Depleted Uranium (DU) war, gegenüber einem Mitglied des australischen Friedenszentrums Traprock.

Douglas Rokke ist Medizinphysiker. Er hat auch einen Doktor in Philosophie. Wegen seiner kritischen Einstellung gegenüber Geschossen mit abgereichertem Uran wurde er zu einer vom Staat unerwünschten Person. Viele seiner früheren Freunde und Kollegen machen einen großen Bogen um ihn. Dabei hat er nur die Arbeit gemacht, die ihm vom Pentagon aufgetragen wurde. Aber das, was er erfahren und festgestellt hat, wollte das Pentagon totschweigen. Als ihm bewusst wurde, dass sein Arbeitgeber die Gefahren herunterspielte, ging er an die Öffentlichkeit. Das kostete ihn Karriere, Kameraden und Freunde.

Rokke war ursprünglich gar kein Kriegsgegner gewesen. 1967 war er in die US-Luftstreitkräfte eingetreten und bombardierte als Artillerie-Unteroffizier in aller Frühe »vor dem Rasieren« Ziele in Vietnam. Erst später befasste er sich mit dem Thema Umwelt und Gesundheit. Heute reist er um die Welt, um über DU aufzuklären.

Hauptmann Rokke brachte den ehemaligen Soldaten bei, wie man mit Uranmunition umgeht. Er entwickelte später im Auftrag der Armee Sicherheitsstandards, Handbücher und einen Lehrfilm für den Umgang mit Uranmunition.

Er hatte den Auftrag, die Entsorgung und Entgiftung von »Strahlenruinen«, abgeschossenen Fahrzeugen und Tanks, zu überwachen, durfte aber nichts darüber sagen, schreiben, empfehlen oder etwas tun, was die Verwendung dieser Waffe gefährden könnte. »Wir haben das Schlachtfeld um den berüchtigten ›Highway of Death‹ untersucht, die Schnellstraße von Basra nach Bagdad, auf der Hunderte von Panzern mit Uranmunition abgeschossen wurden. Die Gegend ist entsprechend kontaminiert«, sagt Rokke.

Weniger verseuchte Ob

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