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Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 22/2011
Die Lust am Selberdenken
Der Inhalt:

Die Lust am Selberdenken

Wer den Vereinfachern seinen geistigen Raum überlässt, wer keinen eigenen Gedanken wagt, riskiert auch keinen Fehler, keine Spannungen und Widersprüche. Das macht das Leben sinnlos und langweilig

Lasst euch nicht blöd machen.

Dort, wo ich lebe, werden schon den kleinsten Kindern – noch sind sie hinten mit Windeln ausgestopft – Bildchen und Tönchen vorgegaukelt, die ihnen ein gewisses Maß an Einfältigkeit leicht machen sollen. Komische Figuren, aus Disneys Korporationsstall entsprungen, lullen sie vorsorglich in den Glauben, ihr ganzes Leben werde als kolorierter Trickfilm verlaufen. Alle Verblödungskräfte unserer Zeit zielen auf den Einzelnen, um ihm das zu nehmen, was ihn einzeln macht. Starrsinniges Misstrauen gegen alles, was gedruckt, gesungen, geflüstert oder sonst wie einem ins Haus flattert, hat mich immer aufrechterhalten. Ich empfehle daher äußerste Vorsicht vor allen offenkundigen oder verstohlenen Versuchen der als Fachleute verkleideten Gehirnwaschmeister.

Das schrieb Erwin Chargaff, Naturwissenschaftler und Universalgelehrter, 1989 in seinem Buch »Alphabetische Anschläge«. Der Sozialpsychologe Harald Welzer sieht es im Jahr 2011 ähnlich wie Chargaff. Immer noch sind die Gehirnwäscher unterwegs und wollen uns blöd machen. Welzer zeichnet das Bild von einer »riesigen Illusionsmaschine«, in der diverse Akteure, Schauspieler auftreten und mitteilen, dass sie mehr als jeder andere verstünden, was da in der Welt vor sich geht. Die Menschen sollen der Suggestion erliegen, sie hätten keine Möglichkeit, in die Ereignisse einzugreifen.

Lasst euch nicht ohnmächtig machen, könnte die Empfehlung von Harald Welzer lauten. Er entwarf zehn Möglichkeiten, um diese Illusionsmaschine zu konterkarieren.

Möglichkeit Nummer eins: Selber denken. Möglichkeit Nummer zwei: Traue