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Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 21/2018
Der Mord und der Westen
Der Fall Saudi-Arabien: Handel, Macht und Menschenrechte
Der Inhalt:

Leserbriefe

vom 09.11.2018

Inside Vatikan

Zu: »Gottverlassen« (19, S. 26-30)

Treffsicher bringt Michael Schrom die Problematik der Kirche zur Sprache. Er differenziert zwischen den Lagern und weist auf die gefährliche Rückkehr zur maskulinen Hierarchie hin. Infrage stellen würde ich aber – mit Blick auf die Ausführungen von Hans Zollner – die Annahme, die Probleme seien »selbstverschuldet«. Meine »katholische« Antwort lautet: »Sowohl – als auch«. Was sich in der zweitausendjährigen Geschichte der Kirche oft als Segen erwies, entwickelt sich zusehends zum Fluch und zur »Struktur-Sünde«. Will man als Volk Gottes unterwegs sein, bedarf es heute einer anderen Kirchenstruktur, eines anderen Denkens im Glauben und mehr persönlicher Mitverantwortung. Josef Eisend, Malsch

Der Publizist Karl Kraus schrieb einmal, man könne einer Organisation nicht die Untaten ihrer Mitglieder anlasten, wohl aber das Verhältnis der Organisation zu den Tätern. Das Kirchenrecht bestimmt, dass zur Kommunion jene nicht zugelassen werden dürfen, die »hartnäckig in einer offenkundigen schweren Sünde verharren«. Weiter heißt es: »Wer sich einer schweren Sünde bewusst ist, darf ohne vorherige sakramentale Beichte die Messe nicht feiern und nicht den Leib des Herrn empfangen.« Dass Priester, die Kinder missbrauchen, in einer schweren Sünde verharren, ist offensichtlich. Eine Absolution ist ausgeschlossen, da dazu nicht nur Reue und der feste Vorsatz, die Sünde nicht zu wiederholen, sondern auch Wiedergutmachung gehört. Doch es geht noch weiter: Die Bischöfe, die vom Missbrauch erfuhren, haben die Fortsetzung dieser Verbrechen ermöglicht, indem sie die Täter versetzten. Das geht hinauf bis in den Vatikan. Paulus schrieb an die Korinther: »Tatsächlich hört man von Unzucht unter euch, und zwar von solcher Unzucht, wie es sie nicht einmal unter Heiden gibt … Und ihr seid aufgeblasen und nicht vielmehr in Wehklage ausgebrochen, sodass der, der diese Tat vollbracht hat, aus eurer Mitte entfernt würde?!« Nimmt irgendwer in der Kirche diese Passage ernst? Wissen Papst und Bischöfe nicht, dass die Versöhnung mit Gott nur wiederhergestellt werden kann, wenn mit allen Mitteln eine Wiedergutmachung versucht wird? Christian Bickel, Wiesbaden

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