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Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 21/2018
Der Mord und der Westen
Der Fall Saudi-Arabien: Handel, Macht und Menschenrechte
Der Inhalt:

Buch des Monats: Das Göttliche im Menschen

von Norbert Copray vom 09.11.2018
Ein neuer Blick auf Meister Eckhart

Katharina Ceming
Lass mal!
Mit Meister Eckhart ins Hier und Jetzt.
Vier Türme. 125 Seiten. 16 €

Er ist der »Lieblingsmystiker der modernen Spiritualitätsszene«. So stellt Katharina Ceming den Philosophen und Theologen Meister Eckhart eingangs vor. Weltweit bekannt wurde Eckhart durch Erich Fromms Buch »Haben oder Sein«, in dem der Sozialpsychoanalytiker Fromm ausführlich Eckharts Predigt über die Armut im Geiste deutete. Der renommierte Religionspädagoge Hubertus Halbfas hat erst jüngst in seinem neuen Buch »Kurskorrektur« Gründe, Motive und Inhalte für ein zukunftsfähiges Christentum mit mystischen Wurzeln nahe an der Theologie von Eckhart gefunden als Gegenentwurf zu einem dogmatisierten und evangelikalen Christentum (vgl. Publik-Forum 18/2018, S. 54).

Eckhart wurde etwa um 1260 in der Nähe Gothas geboren. Früh war er Prior des Erfurter Dominikanerklosters; 1302 Magister (Meister) in Paris, wo er später auch als Professor tätig war. »Theologisch betrachtet war sein Denken dem Mainstream eher fern und den Vorstellungen mystischer Gruppierungen nahe«, schreibt Ceming in ihrem biografischen Abriss im ersten Kapitel. Auch wenn man ihn nicht einfach als Mystiker bezeichnen kann, neigte er jedenfalls einer reflektierten und reflektierenden Spiritualität zu, was ihn für spirituelle Szenen, die das Denken abwehren, verdächtig macht.

Die Philosophin und Theologin Ceming erweitert den Blick auf Eckhart, indem sie seine Lehre »aus einer interkulturellen und integralen Perspektive« betrachtet. Als Expertin für hinduistische und buddhistische Traditionen stellt sie Bezüge vor allem zur indischen Spiritualität her, von denen Eckhart nichts wusste, die sich jedoch in seiner Lehre finden. Eckhart wurde schließlich wegen seiner unkonventionellen Deutung des Christentums denunziert, musste anonym publizieren. Schließlich gab es gegen ihn einen Inquisitionsprozess, vor dessen Abschluss er starb. Trotzdem wurden noch 28 Sätze als irrige Lehre eingestuft.

Das Büchlein von Ceming mag mit 125 Seiten schmal erscheinen, bietet indes intensive Kost, um die eigene Spiritualität und den eigenen christlichen Glauben zu vertiefen. Ceming formuliert präzise, bisweilen auch flapsig, stellt immer wieder Bezüge her, was die Lektüre erleichtert. Die »Einheitslehre« Eckharts bedeutet: »Alles is

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