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Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 21/2015
»Macht Wirbel!«
Wie der Papst die Kirche aufmischt
Der Inhalt:

Für ein paar Stunden Kind sein

Christina Brandl-Bommer unterstützt Heranwachsende in einer brasilianischen Favela

Vor 28 Jahren war ich das erste Mal in der Favela Linho do Tiro am Stadtrand von Recife in Nordostbrasilien. Damals studierte ich noch und besuchte gemeinsam mit zwei Jesuiten Hilfsprojekte. Die extreme Armut der Menschen in Linho do Tiro hat mich sehr bewegt. Und bis heute hat sich die Situation in der Favela nicht verbessert. Gewalt ist an der Tagesordnung. Müll wird nicht weggefahren. Die Menschen leben in Baracken mit undichten Dächern. Die starken Regenfälle zerstören immer wieder die mühsam erstellten Konstruktionen. Für die Kinder gibt es keine Spielplätze, sie toben im Müll. Hunger prägt den Alltag in der Favela. Daher finden Drogenhändler, die Jugendliche zu Dealern machen wollen, leicht Opfer. Viele Kinder sterben an Krankheiten, wegen Hunger oder durch Gewaltakte. Der Staat kümmert sich nicht. Er geht menschenverachtend mit Kindern aus den Favelas um.

Hilfe bietet ihnen nur Camm, das Zentrum zur achtsamen Begleitung für Mädchen und Jungen, das ich vor 28 Jahren kennenlernte. Unser Freundeskreis »Arche Nova« unterstützt es seither. Wir sammeln Spenden, organisieren Vorträge und haben Roberta Barros und ihren Mann Ademilson Nascimento auch schon nach Deutschland eingeladen. Die beiden haben das Camm 1984 gegründet. Inspiriert wurden sie dabei von ihrem Freund, dem 1999 verstorbenen katholischen Bischof Dom Helder Camara, einem der profiliertesten Vertreter der Befreiungstheologie. Am Anfang boten sie bettelnden Kinder an, zu ihnen ins Haus zu kommen und mit ihnen zu lernen. Daraus entstand dann das Centro de Atendimento a Meninos e Meninas. Wochentags bekommen dort bis zu sechzig Kinder im Alter von drei bis