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Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 21/2015
»Macht Wirbel!«
Wie der Papst die Kirche aufmischt
Der Inhalt:

Spiritprotokoll: Einfach nur sitzen

von Hartmut Meesmann vom 06.11.2015
Wie geht Zen-Meditation? Unser Autor übt sie schon seit vielen Jahren. Doch einfacher wird es dadurch nicht

Gedanken sind hartnäckig. Sie wollen über den Kopf herrschen. In der Zen-Meditation geht es darum, sie dahinziehen zu lassen wie die Wolken am Himmel. Einfach nur dasitzen und nicht denken. Die Gedanken kommen und wieder gehen lassen.

Das gelingt mal mehr, mal weniger. Der Kopf ist beharrlich und eigenwillig. Meist drängen sich die Gedanken, Szenen, Bilder im Kopf einfach auf. Bevor ich daran denken kann, sie wieder zu verabschieden, habe ich schon eine Menge anderes gedacht: über das, was ich morgen und übermorgen tun möchte, über das, was schön wäre, wenn es sich ergäbe; aber auch über die Welt und wie absurd ich diese merkwürdige Veranstaltung manchmal finde.

Und ob es Gott wirklich gibt.

Und wenn ja, warum er diese Welt, so wie sie ist – wundervoll und abgründig –, überhaupt auf den Weg gebracht hat. Und was wäre, wenn die Liebe die ganze Welt erfüllen würde (ein bisschen arg romantisch, nicht wahr?). Und dann, in kurzen Augenblicken: Leere im Kopf. Nur Stille. Nichts.

Es hat etwas, einfach nur für 25 Minuten dazusitzen, meist am Morgen, und der Stille nachzuspüren, sie zu »hören«. Das gelingt mir nicht immer. Es gibt Zeiten, da kommt mir die Zen-Meditation abhanden. Doch es beruhigt zu hören, dass dies anderen – und erfahreneren – auch nicht anders ergeht.

Ein guter Freund ist ein regelrechter Fan dieser Stille. Seine Begeisterung kann er kaum in Worte fassen, er schnalzt dann einfach nur mit der Zunge. Die Medita tion mundet ihm anscheinend besonders. Auch ein befreundetes Paar meditiert. Es ist immer wieder eine besondere und schöne Erfahrung, zusammen »zu sitzen«, »in die Stille zu gehen«, wenn wir vier uns mal wieder treffen, um miteinander zu quatschen. Das schafft eine Verbindung besonderer Art – obwohl wir die Welt durchaus aus unterschiedlichen Perspektiven betrachten, treffen wir uns doch in der Meditation. Sie fügt sich ein in den Alltag wie das Frühstück oder das gemeinsame Wandern.

Ich suche keine Erleuchtung. Ich will auch keine Koans lösen, Fragen oder Rätsel also, die der Verstand nicht beantworten oder enträtseln kann, sondern nur die Erfahrung. Das ist eine Sache für die »Profis«, nicht für mich.

In der Meditation bin ich ganz bei mir – und ganz in der Welt. In stiller Weise »woanders«. Vielleicht nähere ich mich auf diese Weise dem »Kern des

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