Zur mobilen Webseite zurückkehren
Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 21/2014
Heilende Tinte
Wie Schreiben befreit
Der Inhalt:

Sozialprotokoll: »Jetzt sind wir Familie«

von Barbara Tambour vom 07.11.2014
Ihr Kinderwunsch blieb lange unerfüllt. Durch fremde Samenspende und assistierte Befruchtung hat Ulrike E. zwei Söhne bekommen

Immer schon wollte ich Kinder haben. Doch es war ein weiter Weg, bis unsere zwei Jungs tatsächlich geboren wurden. Heute sind sie 13 und 15 Jahre alt. Mein Mann ist genauso familienverbunden wie ich. Schon lange bevor wir Kinder hatten, hat er Sätze gesagt wie: »Ich möchte später mit meinem Sohn segeln gehen – und Fahrrad fahren.«

Als ich nach unserer Heirat nicht schwanger wurde, war ich anfangs ganz entspannt. Irgendwann ging ich zum Arzt. Der sagte: »Bei Ihnen ist alles gut.« Also ließ sich mein Mann untersuchen. Das Ergebnis: Kein einziges Spermium wurde gefunden. Durch eine Operation hätte der vermutlich verschlossene Samenleiter geöffnet werden können. Doch dieser Eingriff birgt auch Risiken. Davor bekam mein Mann Angst. Er hat geweint, als er mir sagte, er könne diese OP nicht machen lassen. Ich akzeptierte seine Entscheidung. Aber es war für mich, wie wenn ein Mensch stirbt. In meiner Vorstellung war unser Kind ja schon da. Ich hatte Fantasien, wie ich mit dem Kind am Tisch sitze und ein Bild male.

Wir entschlossen uns dann, es mit einer Samenspende zu versuchen. Mit diesem Anliegen gingen wir 1997 zum Arzt. Der sagte uns: »Samenspende ist in Deutschland verboten.« Das stimmte zwar nicht. Doch das fand ich erst viel später heraus. Für mich ist in diesem Moment die Welt zusammengebrochen. Ich dachte immer: Kinder zu bekommen kann uns kein Gesetzgeber verbieten. Darauf hin ist der Mensch doch angelegt. Das darf uns keiner verwehren.

Doch wer würde uns helfen? Unser Urologe verwies uns schließlich an einen Arzt in Berlin, der insgesamt vier Inseminationen – Befruchtungen mit fremdem Spendersamen – vorgenommen hatte. Die ganze Zeit habe ich geglaubt, er mache das, obgleich es verboten sei. Obwohl er sehr nett zu uns war, habe ich mich nicht getraut, ihn darauf anzusprechen.

Als ich nach der vierten Insemination immer noch nicht schwanger war, stellte der Gynäkologe fest, dass meine Eileiter so wenig durchlässig waren, dass meine Chance, schwanger zu werden, ganz gering war. Der Arzt riet uns zur In-vitro-Fertilisation, also zu Befruchtung in der Petrischale. Doch diese zusammen mit Samenspende – das hatte es bis dahin in Berlin noch nicht gegeben. Er musste sich das Plazet dazu von der Ethikkommis sion der Berliner Ärztekammer einholen. Schon wieder eine Hürde! Schon wieder entschieden andere, ob wir ein Kind haben dürften oder nicht!

Wählen Sie Ihren Zugang und lesen Sie direkt weiter.

Digital-Zugang
  • Alle über 20.000 Artikel auf publik-forum.de frei lesen und vorlesen lassen
  • Die aktuellen Ausgaben von Publik-Forum als App und E-Paper erhalten
  • 4 Wochen kostenlos testen
Digital-Zugang für "Publik-Forum"-Print-Abonnenten
  • Ergänzend zu Ihrem Print-Abonnement
  • Alle über 20.000 Artikel auf publik-forum.de frei lesen und vorlesen lassen
  • Die aktuellen Ausgaben von Publik-Forum als App und E-Paper erhalten
  • 4 Wochen kostenlos testen