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Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 21/2014
Heilende Tinte
Wie Schreiben befreit
Der Inhalt:

Gemeinsam gegen Ausbeutung

von Thomas Seiterich vom 07.11.2014
Junge Südeuropäer in Deutschland fangen an, sich zu organisieren

Zum Beispiel Esther Sanchez und ihr Lebenspartner Miguel (Namen geändert). Beide jungen Spanier sind Architekten – und schlagen sich in Frankfurt am Main durch als Einwanderer neuen Typs. Sie teilen das Schicksal von vielen jungen von der Eurokrise Betroffenen aus den notleidenden Südstaaten der Europäischen Union. In Spanien, ihrer Heimat, gibt es infolge der Jugendarbeitslosigkeit von rund fünfzig Prozent auf lange Frist null Möglichkeit, im Architektenberuf einen Job zu finden.

Ester und Rafael sind 30 und 32 Jahre alt. Im Februar erwarten die beiden Jung-Architekten ein Baby, den Namen wissen sie schon: Leon. Doch ihr Leben ist schwer. Denn das junge Paar bewohnt, nach langer Suche, eine Mini-Altbauwohnung von vierzig Quadratmetern im fünften Stock hoch unterm Dach im Stadtteil Bornheim. »Wir suchen dringend eine bezahlbare Drei-Zimmer-Wohnung«, hofft Esther.

Ihre finanzielle Lage? Wenig rosig. Denn das im In- und Ausland renommierte Architektenbüro, bei dem beide untergekommen sind, zahlte Esther in den Anfangsmonaten 500 Euro im Monat. In Worten: fünfhundert. Davon kann in einer westdeutschen Großstadt keiner leben. Rafael, der Esther nach Deutschland vorausgereist war, verdiente unwesentlich mehr.

Doch die beiden haben auch Glück: Esthers Vater, ein Witwer, hilft von Madrid aus, wo er kann; er steigt schon mal in den Billigflieger nach Frankfurt und hilft. Und das junge Einwanderer-Paar hat Freunde in der Frankfurter Basisgemeinde.

Andere ebenfalls gut ausgebildete Einwanderer haben weniger Glück. Sie werden beispielsweise in Pflegeberufen massiv ausgebeutet oder sind Opfer von Knebelverträgen. Die sehen hohe Straf- und Ersatz-Zahlungen vor, wenn der Arbeitnehmer kündigt. Für sie organisiert Miguel Sanz von Berlin aus neuerdings eine Art »Guerilla-Gewerkschaft für junge Spanier«. Der Name: Grupo de Acción Sindical.

Deutscher Kontaktmann für ausgebeutete, ausländische Pflegekräfte ist Kalle Kunkel von der Gewerkschaft ver.di. »Es ist schwierig, die jungen Spanier zu organisieren«, klagt Miguel Sanz: »Deshalb lade ich zum Kochen und Paella-Essen ein. Es funktioniert.« Der 34-Jährige stammt aus einer Gewerkschafterfamilie in Andalusien. 2013 zog er auf Jobsuche nach Berlin. »Damals bildete sic

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