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Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 21/2013
Die Kraft der Stille
Der Inhalt:

Zoff im Kiez

von Monika Herrmann vom 08.11.2013
Die evangelische Emmaus-Gemeinde in Berlin-Kreuzberg will
die Menschen mit einem Mediationsprojekt unterstützen

Kneipen und Cafés gibt es im Berliner Stadtteil Kreuzberg mehr als genug. An jeder Ecke sitzen die Menschen zusammen, reden, lernen sich kennen, planen politische Aktionen oder feiern einfach. Mittendrin ist das Weltcafé. Es ist ein ganz besonderes Café, weil es in die evangelische Emmaus-Kirche integriert ist. Fair gehandelten Kaffee gibt es hier und ein paar Kleinigkeiten fürs leibliche Wohl. Die meisten Café-Besucher wohnen im Kiez, andere sind Touristen.

»Hier finden Sie immer Leute, die miteinander reden«, erzählt Jörg Machel. Miteinander reden – das ist dem Pfarrer der Gemeinde wichtig. Machel ist nicht nur Theologe, sondern auch so etwas wie ein professioneller Konfliktlöser; manche würden sagen: ein Streitschlichter. An der Universität Viadrina in Frankfurt/Oder hat er dafür ein Masterstudium absolviert. Die Ausbildung zum Mediator gehört für ihn zur Seelsorge dazu. »Als Kirche haben wir ja immer auch die Aufgabe, Frieden zu stiften«, sagt er. »Und als Pfarrer bin ich mittendrin in den Problemen hier im Kiez, die nicht immer friedlich gelöst werden«, erzählt er.

Mediation heißt Machels friedenstiftende Arbeit, und die ist inzwischen weit über den Kiez hinaus bekannt. Der Pfarrer wird angefragt, wenn Probleme gelöst werden müssen oder sich nicht mehr lösen lassen. Machel weiß, wie das geht. Ein Beispiel: Wenn in jedem Jahr aufs Neue am 1. Mai Autonome und die Polizei in Kreuzberg in heftige Auseinandersetzungen verstrickt sind, wenn manchmal Steine fliegen und Tränengas gesprüht wird, dann versucht er, zu vermitteln. Dann lädt er am Tag danach ins Weltcafé ein und versucht, Polizisten und Steinewerfer dazu zu bringen, miteinander zu reden.

Auch mit Journalisten redet der Pfarrer am liebsten im Weltcafé. Durch die hohen Fensterscheiben schaut er hinaus auf den Lausitzer Platz, auf seinen Kiez, in dem er selbst mit seiner Familie lebt. Und dann erzählt Jörg Machel von »Zoff-Off«: Zwei Container will er zusammenfügen zu einem Raum, in dem sich Menschen, Familien, kirchliche Mitarbeiter oder auch Gemeindegruppen einmal so richtig zoffen können. Er denkt an ein offenes Anbot für Menschen, die an ihren zerrissenen Lebenssituationen verzweifeln und daran etwas ändern wollen. Und zwar durch professionelle Hilfe.

»Mediation kann helfen«, davon ist der Pfar

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