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Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 21/2013
Die Kraft der Stille
Der Inhalt:

Tausende sind spurlos verschwunden

von Bernhard Clasen vom 08.11.2013
Mit dem Terror nimmt auch der Nationalismus in Russland zu. Eine fatale Entwicklung für den Vielvölkerstaat

Er werde nicht zulassen, dass die »satanischen Spiele« ungestört stattfinden können, kündigte jüngst Doku Umarow, einer der führenden Islamisten im russischen Nordkaukasus, in einer Videobotschaft an. Gemeint sind die für Februar 2014 angekündigten Winterspiele im russischen Sotschi, das gerade einmal 500 Kilometer von den instabilen russischen Nordkaukasus-Republiken entfernt liegt. Die Videoaufnahme ist gespenstisch. Irgendwo in einem Wald, vor einem schwarzen Transparent mit arabischen Worten, erklärt der Terroristenchef vor zwitschernden Vögeln, man werde sich ab sofort nicht mehr an die Zusage halten, keine Anschläge außerhalb des Nordkaukasus zu verüben.

Und die russische Führung nimmt die Drohung ernst. Bereits vor einem Jahr, so der Inlandsgeheimdienst FSB, habe man gerade noch Terroranschläge, von Umarows Leuten geplant, in Sotschi verhindern können. Der Chef der Nordkaukasus-Republik Tschetschenien, Ramsan Kadyrow, kündigte an, Umarow werde die Olympischen Spiele in Sotschi nicht mehr erleben. Offensichtlich, so Kadyrow, sei er von seinen westlichen Auftraggebern, denen die Großveranstaltung in Sotschi nicht passe, zu dieser Äußerung angestachelt worden.

Die russische Führung hat allen Grund, den Terrorismus im eigenen Land ernst zu nehmen. Nur an drei von vielen Fällen, die Schlagzeilen machten, sei erinnert: Da war die Geiselnahme im Moskauer Dubrowka-Theater im Oktober 2002 bei dem Musical »Nord-Ost«. Mehrere Dutzend bewaffnete Terroristen hatten über 800 Menschen in ihre Gewalt gebracht. Bei der Stürmung kamen 129 Geiseln und alle Terroristen ums Leben. Zwei Jahre später dann im September die Geiselnahme in der Schule von Beslan im nordkaukasischen Nordossetien, bei der über tausend Menschen zu Geiseln wurden und bei deren Stürmung über 300 Menschen ihr Leben verloren. Und schließlich der Terroranschlag im Moskauer Flughafen Domodedowo im Januar 2011, bei dem mehr als 35 Menschen ihr Leben verloren. Beispiele menschenverachtender Gewalt »heiliger Krieger«, die zum größten Teil ihre Wurzeln im islamisch geprägten russischen Nordkaukasus haben.

Die Reaktion der russischen Führung auf den heimischen Terrorismus ist nicht weniger gnadenlos. Nach dem Terroranschlag auf das Musical »Nord-Ost« verbot die russische Regierung, die sterblichen Überreste von Terroristen ihren Familien zu übergeben. Offensichtlich sind sogar no

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