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Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 21/2012
Gefährlicher Reichtum
Warum wir eine gerechte Verteilung brauchen
Der Inhalt:

»Wir werden gebraucht«

von Thomas Begrich vom 09.11.2012
Die Kirchensteuer, ethische Geldanlagen und der Umgang der Kirche mit ihrem Geld. Eine Antwort auf kritische Anfragen

Über die Kirchensteuer wird nicht nur in den Kirchen, sondern auch in der Gesellschaft heftig debattiert, gefordert werden ethische Geldanlagen. Zuletzt kritisierte der Sozialethiker Franz Segbers die kapitalorientierte Rentenpolitik der Kirchen (18/2012). Im Folgenden schildert der Finanzreferent der Evangelischen Kirche in Deutschland seine Sicht der Dinge.

Die sind doch reich – sagt der Mann auf der Straße. Die können doch gar nicht richtig mit Geld umgehen – sagt der Banker. Wir haben nicht genug, um unsere Aufgaben zu erfüllen – sagt der Bischof. Was stimmt denn nun?

In der Tat: Wenn man sich die zehn Milliarden Euro vorstellt, die alle zwanzig evangelischen Landeskirchen mit ihren Kirchengemeinden jährlich für ihre Aufgaben zur Verfügung haben (die gesellschaftsrechtlich verfassten Einrichtungen der Diakonie dürften mehr als das Doppelte haben beziehungsweise benötigen), dann klingt das sehr viel. Verglichen etwa mit dem jährlichen Tabaksteueraufkommen von 14 Milliarden Euro ist es eher wenig.

Woher aber kommt das Geld der Kirche?

Vornehmlich stellt also die Kirchensteuer als Mitgliedsbeitrag die finanzielle Basis kirchlicher Arbeit dar. Durch die enge Anbindung an die Lohn- und Einkommensteuer bildet sie die Prinzipien der Lastentragung nach der finanziellen Leistungsfähigkeit und der Steuergerechtigkeit nach. Zugleich sichert sie die Unabhängigkeit der Kirche: vom Staat, aber auch etwa von wohlhabenden Mitgliedern, die auf diese Weise nicht wie in anderen Leistungssystemen unbilligen Einfluss auf die Kirche und ihre Verkündigung nehmen können.

Die Kirchensteuer ist keineswegs ein deutscher Sonderweg, wie oft gesagt wird: die Schweiz, Schweden oder Finnland kennen sie ebenso. Für manche ist die Kirchensteuer ein Ärgernis, eine »Zwangsabgabe« heißt es gelegentlich. Das ist sie nicht: Sie ist der finanzielle Beitrag, den die Mitglieder leisten, die der Kirche – freiwillig – angehören. Mit ein bis zwei Prozent des Bruttoeinkommens ist sie weit vom biblischen Zehnten entfernt.

Fördernde Neutralität. Der staatliche Kirchensteuereinzug geht auf die Säkularisierung zurück: Bis weit in das 19. Jahrhundert hinein wurde die Kirche als eine öffentliche Angelegenheit betrachtet und in der Folge erheblich durch direkte staatlic

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