Zur mobilen Webseite zurückkehren
Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 21/2012
Gefährlicher Reichtum
Warum wir eine gerechte Verteilung brauchen
Der Inhalt:

Verflixte Wahrheiten

von Wolfgang Kessler vom 09.11.2012
Die wichtigsten Einwände gegen die Umverteilung des Reichtums – und mögliche Antworten

In Deutschland hungert doch keiner

Die sozial Benachteiligten in Deutschland haben zumeist ein Dach über dem Kopf und müssen nicht hungern – im Gegensatz zu den Ärmsten der Armen im Süden. Allerdings geht es den Armen hierzulande immer noch so schlecht, dass sie von vielen gesellschaftlichen Aktivitäten ausgeschlossen sind: Kinder können keine Klassenfahrten machen, sie werden zu Schülern zweiter Klasse. Die Erwachsenen können kaum ins Kino oder zum Sport. Da diese Ausgrenzung in einem superreichen Land stattfindet, wird sie von den Betroffenen als besonders unwürdig erlebt.

Die Statistik zählt zu viele Arme

Als »relativ arm« oder »armutsgefährdet« gilt, wer netto weniger als 60 Prozent der vergleichbaren Haushalte besitzt, die mit ihren Einkommen in der Mitte der Gesellschaft – im sogenannten Median – liegen. Durch diese Berechnung wächst die Zahl der Armen automatisch, wenn die Einkommen der Durchschnittsverdiener steigen. Diese Berechnung muss tatsächlich verbessert werden. Es widerlegt aber nicht, dass mindestens 15 Prozent der Deutschen seit vielen Jahren vom Wohlstand abgehängt werden. Viel umstrittener als die Berechnung der Armut ist allerdings die Berechnung der Vermögen. Da es sich um Eigenangaben handelt, kommen Forscher zu unterschiedlichen Ergebnissen: Für die Bundesregierung besitzen 10 Prozent der Haushalte 53 Prozent des Gesamtvermögens. Stefan Bach vom Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung kommt dagegen auf rund 66 Prozent.

Reiche Unternehmen schaffen Jobs

Natürlich brauchen Unternehmer Gewinne. Doch die Tatsache, dass der Anteil der Unternehmensgewinne am Volkseinkommen zwischen 2000 und 2010 von knapp 28 Prozent auf 34 Prozent gestiegen ist, hat nicht zu nennenswert höheren Investitionen geführt. Der Grund: Wenn die Einkommen der Beschäftigten nicht steigen, lohnen sich zusätzliche neue Produkte und Dienstleistungen nicht, weil sie nicht verkauft werden. Dann fließt ein höherer Teil der Gewinne auf die Finanzmärkte.

Steuern treiben Geld ins Ausland

Nach Angaben der Deutschen Steuergewerkschaft parken die Deutschen 300 bis 350 Milliarden Euro im Ausland. Ob dies bei höheren Steuern mehr wird, ist zweifelhaft. Schon heute geraten Anleger im Ausl

Wählen Sie Ihren Zugang und lesen Sie direkt weiter.

Digital-Zugang
  • Alle über 20.000 Artikel auf publik-forum.de frei lesen und vorlesen lassen
  • Die aktuellen Ausgaben von Publik-Forum als App und E-Paper erhalten
  • 4 Wochen kostenlos testen
Digital-Zugang für "Publik-Forum"-Print-Abonnenten
  • Ergänzend zu Ihrem Print-Abonnement
  • Alle über 20.000 Artikel auf publik-forum.de frei lesen und vorlesen lassen
  • Die aktuellen Ausgaben von Publik-Forum als App und E-Paper erhalten
  • 4 Wochen kostenlos testen