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Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 21/2012
Gefährlicher Reichtum
Warum wir eine gerechte Verteilung brauchen
Der Inhalt:

UmFairteilen, aber wie?

von Wolfgang Kessler vom 09.11.2012
Wer Armut lindern und neue Wirtschaftskrisen verhindern will, braucht eine Offensive für Gerechtigkeit. Sechs Baustellen

Soziale Gerechtigkeit wird auch in einem reichen Land wie Deutschland zur Schicksalsfrage. Denn die Herausforderungen werden wachsen: Die globale Konkurrenz um Arbeit und Wohlstand nimmt zu, die Rohstoffe werden knapper und teurer, Klima-Erwärmung und grassierende Armut vertreiben Millionen Flüchtlinge aus ihrer Heimat. Diese Entwicklungen werden den Kampf um Lebenschancen verschärfen, auch in Deutschland. Je größer die Kluft zwischen Arm und Reich ist, desto größer ist die Gefahr, dass die Gesellschaft an diesen Konflikten zerbricht.

Um diese Konflikte im Zaum zu halten, braucht es hierzulande (und weltweit) eine Offensive für mehr Gerechtigkeit. Sechs Baustellen sind besonders wichtig:

Einkommen und Vermögen

Nach einer Studie der Organisation für Entwicklung und Zusammenarbeit ist die Ungleichheit der Einkommen in Deutschland zwischen 1990 und 2010 doppelt so stark angewachsen wie im Durchschnitt der Industrieländer. Eine gerechtere Verteilung erfordert deshalb höhere Steuern für Besserverdienende und eine Vermögenssteuer. An Vorschlägen fehlt es nicht: SPD und Bündnis 90/Grüne wollen den Spitzensteuersatz von derzeit 42 auf 49 Prozent erhöhen. Geht es nach der SPD, sollen Vermögen ab zwei Millionen mit einem Prozent besteuert werden. Geschätzte Einnahmen: 11,5 Milliarden pro Jahr. Die Linkspartei will einen Spitzensteuersatz von 53 Prozent und eine einmalige Abgabe für Vermögen ab einer Million Euro. Die Grünen schlagen eine einmalige Vermögensabgabe vor, die im Laufe von zehn Jahren hundert Milliarden Euro einbringen soll. Zu beachten ist allerdings die Frage der Betriebsvermögen, denn Steuern sollten Betriebe nicht gefährden.

Arbeit

Fast fünf Millionen Bürger – jeder fünfte Ostdeutsche – verdienen weniger als acht Euro pro Stunde. Unterbezahlt sind viele Tätigkeiten in den sozialen Dienstleistungen, von Gesundheit über Kinderbetreuung bis zur Altenpflege. Und selbst die tariflich bezahlten Beschäftigten wurden fast zwei Jahrzehnte nicht am Produktivitätszuwachs der Wirtschaft beteiligt. Soll mehr Geld bei den Menschen unten ankommen, anstatt auf den Finanzmärkten zu landen, braucht es Lohnerhöhungen im Einklang mit der Produktivität, einen gesetzlichen Mindestlohn von mindestens neun Euro und angemessene Löh

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