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Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 21/2012
Gefährlicher Reichtum
Warum wir eine gerechte Verteilung brauchen
Der Inhalt:

Domian und der Tod

von Thomas Becker vom 09.11.2012
Was wohl geschieht, wenn das Herz zu schlagen aufhört? Über nichts hat er so viel, so oft, so kontrovers nachgedacht wie über die Endlichkeit. Es ist das Thema seines Lebens. Verstehen kann er das selbst nicht

Mit mehr als 20 000 Interviewpartnern hat WDR-Moderator Jürgen Domian in seiner Sendung gesprochen. Doch einer fehlte bisher in der langen Liste: der Tod. Domian hat ihn für sein neues Buch jetzt interviewt, fiktiv natürlich: Er sprach mit ihm über den Sinn des Lebens, über Auferstehung, Wiedergeburt, Gott und die Rolle der Religionen.

Es ist ein nasskalter Nachmittag. Als sei ihm das Tageslicht noch ein wenig zu grell, hat Jürgen Domian die Kapuze seines Pullovers tief ins Gesicht gezogen. Gestern hat er bis zwei Uhr nachts seine Talkshow moderiert. Schwere Themen brannten Anrufern wieder auf der Seele. Von Krankheit, Tod, Trauer handelten die Gespräche. Domian brauchte nach der Sendung eine Weile, um runterzukommen, Ruhe zu finden und abzuschalten. Erst im Morgengrauen schlief er ein – der normale Arbeitsrhythmus des »Nachtfalken«.

Nach einer solchen Nacht würde manch einer Zerstreuung suchen und sich an belebte Orte begeben. Vielleicht einkaufen gehen oder Latte macchiato trinken in einem lichtdurchfluteten Café. Nicht aber Jürgen Domian. Er besucht an diesem wolkenverhangenen Nachmittag erst einmal die Toten. Mit dem Fahrrad fährt er zum Kölner Melatenfriedhof. Allein. Wie so oft.

Domian wohnt gleich in der Nähe des Friedhofs – für ihn ein meditativer Ort, eine Oase der Ruhe inmitten der Großstadt. Hier denkt der 54-Jährige nach: über das Leben, den Tod und das, was danach kommen mag. »Wenn ich mich hier umschaue, habe ich immer das Gefühl, dass die Zeit anders verläuft – langsamer. Es ist ein guter Ort, um geerdet zu werden«, sagt Domian, als er den Friedhof betritt.

Die ersten Regentropfen fallen auf seine graue Kapuze, die ihm noch ein wenig tiefer ins Gesicht rutscht. Wie ein moderner Mönch schaut der Journalist nun aus: ein hochgewachsener Mann, kurze, grau melierte Haare, schwarze Zimmermannshose, dazu sein weiter Kapuzenpullover und ein hoch konzentrierter Blick. Domian nähert sich der Hauptallee des Friedhofs, die im Volksmund auch Millionenallee genannt wird. Bankiers, Fabrikanten und Politiker, die einst vermögend waren, liegen hier begraben. Auch über den Tod hinaus demonstrieren sie mit imposanten Grabanlagen ihre Macht.

Was geht Ihnen durch den Kopf, wenn Sie die monumentalen Gräber sehen?

Jürgen Domian: Ich bewundere die Gräber als kulturgeschichtl

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