Bloß kein Hartz IV!
»Nein, meine Wohnung ist nicht gerade groß. 52 Quadratmeter unter dem Dach. Doch das reicht für mich und meine beiden Kinder, die ich allein erziehe. Sie sind mein ganzes Glück! Ein wenig stolz bin ich auch darauf, dass sie Flöte und Klavier spielen. Ach ja, und dann gibt es diese große Sorge: Carlos, mein Jüngster, ist seit der Geburt schwer nierenkrank, ich muss ihm täglich Katheder legen. Nein, lange nachdenken kann ich darüber nicht. Diese Zeit hat man nicht, wenn es ums Überleben geht. Ich bin arbeitslose Industriekauffrau, mein Betrieb hat dichtgemacht. Nach vergeblichen Bewerbungen und Umschulungen bekomme ich nun Hartz IV. Aber ich habe mir auch zwei Nebenjobs erkämpft. Einen unbezahlten und einen bezahlten. Vormittags, wenn die Kinder in der Schule sind, arbeite ich ehrenamtlich in einem Altersheim, am Nachmittag putze ich in einer Schule. Putzen, wissen Sie, immer wieder putzen! Doch mit dem Ein-Euro-Job verdiene ich mir 100 Euro monatlich hinzu. Für die medizinische Hilfe für meinen Sohn. Auch wenn ich nicht weiß, ob das mehr als Hartz IV bringt, träume ich davon, dass die Schule mich fest anstellt. Das ist einfach für die Seele und das Selbstbewusstsein so unendlich wichtig.«
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Die Hartz-IV-Empfängerin Kerstin O. aus D. wollte anonym bleiben.
