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Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 21/2009
Was ich bin, geht alle an
Internet: Zwischen Nabelschau und echter Begegnung
Der Inhalt:

Getragen und verdammt

von Margot Kässmann vom 06.11.2009
»Eine biblische Wüstenerfahrung habe ich gemacht, als meine Scheidung öffentlich wurde«. Über schwere Zeiten im Leben

Kein Leben verläuft gerade, einfach so nach Plan oder immer im Aufwind. Es gibt Höhen und Tiefen. Mir ist wichtig, die schweren Zeiten nicht als verlorene Zeit zu sehen, sondern als Zeit der Reife. Die Tiefe des Lebens erfahren wir gerade in Zeiten von Angst, Krankheit und Konflikt. Allzu glatte Bilder nach außen sind ja oft auch Fassaden, die das Innere verdecken, das womöglich anders aussieht. Es ist eine Frage der Freiheit und, ja, wiederum der Balance, die schweren Zeiten bewusst zu erleben.

Auch wenn wir die Wüstenerfahrung nicht suchen: Manchmal finden wir uns vor in der eigenen Wüste des Lebens, gerade dann, wenn wir den Zenit überschritten haben und auf der Suche nach der Mitte sind. Wir erleben die Wüste der Einsamkeit, der Trauer, der Krankheit, des Versagens. Wüstenzeit, auf sich geworfen sein, allein mit sich und manchmal, wenn es sein kann, mit Gott allein. Es gibt natürlich aber auch eine Wüstenzeit des Glaubens: Gibt es Gott? Wie kann Gott das zulassen? Warum steht Gott mir nicht bei?

Wer in die Wüste geht, ist getrieben von der Sehnsucht nach Klärung ... In der Wüste geht es um den Mut, sich selbst gegenüberzustehen. Oder sich selbst und Gott. Wer in die Wüste geht, kann niemandem mehr etwas vormachen. Da bin ich nur ich. Keine Fassade. Kein schöner Schein. Kein big pretender.

Wüstenzeit ist Zeit der Sensibilität, des Schutzlos-Seins. Ausgesetzt der Sonne, dem Hunger, den Gefahren des Lebens und der Kälte der Nacht. Hier geht es nicht um Überlebenstraining und schöne Sonnenuntergänge. Wüste steht in der Bibel für Einsamkeit und für das Selbst. Für Selbst-Erfahrung. Und für Gotteserfahrung. Wüste ist auch ein Auf-sich-Geworfen-Sein. Eine Wüstenzeit suchen sich nur wenige Menschen freiwillig. Und doch müssen die meisten Menschen sie irgendwann und irgendwie erleben und durchleben ...

Wüstenzeit ist Zeit der Stille und Möglichkeit zum Hören auf die eigene Stimme tief drinnen, die sonst so leicht übertönt wird. Und sie ist eine Chance, neu zu hören auf Gott und das, was er zu sagen hat ...

Jesus wird in die Wüste geführt, um Klarheit zu finden. Er muss verstehen, was sein Auftrag ist. Er geht bewusst, findet sich nicht einfach dort vor. Jesus sieht sich vom Geist geführt, von der Geistkraft. Er versteht, dass er diesen Weg in die Wüste allein gehen muss, um die innere Klärung zu finden und die Kraft für

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