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Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 20/2019
Sind wir noch zu retten?
Was in der Klimakrise hoffen lässt
Der Inhalt:

»Kämpft mit uns für unser Recht«

vom 25.10.2019
Was wollen Indigene von der Kirche? Fragen an die deutsch-peruanische Theologin und Synodalin Birgit Weiler

Publik-Forum: Frau Weiler, Sie arbeiten als Missionsärztliche Schwester in Peru, lehren Theologie in Lima und beraten die lateinamerikanischen Bischöfe. Welchen Blick haben Sie als Theologin auf Amazonien?

Birgit Weiler: Wenn wir Amazonien mit den Augen der Gerechtigkeits- und Öko-Enzyklika »Laudato si« von Papst Franziskus betrachten, wird klar, dass Entscheidendes auf dem Spiel steht. Die große, grüne Lunge des Globus ist sehr gefährdet. Das erleiden die indigenen Völker jeden Tag. Amazonien leidet unter Großprojekten, die den Wald zerstören, zwecks Gewinnung von Erdöl, Gold und Mineralien oder für Stauseen zur Stromproduktion. Hinzu kommt die großflächige Abholzung fürs Agrobusiness, meist Palmöl. Das zerstört den Lebensraum der Menschen, darunter drei Millionen Indigene.

Wissen die Indigenen um die globalen Zusammenhänge?

Weiler: Sie werden sich immer mehr bewusst, dass es Großunternehmen sind, die in ihre Lebensgebiete vordringen. Die Awajun und Wampis, zwei Völker, mit denen ich sehr verbunden bin, sagen: Wir setzen uns natürlich für den Regenwald ein, weil es um unsere Zukunft geht. Doch wir wissen auch, wie wichtig das Amazonasgebiet für die Menschheit ist. Sie wissen, dass zwanzig Prozent allen Süßwasservorkommens aus Amazonien stammen und wie wichtig der Amazonas ist, um weltweit das Klima zu regulieren. All dies ist den Wampis und Awajun in Peru und Ecuador, die seit Jahrzehnten im Widerstand sind und jahrhundertelang sich nie spanisch kolonisieren ließen, sehr klar.

Verstehen die Indigenen sich als Christen oder empfinden sie Kirchen als Fremdkörper?

Weiler: Bei den Völkern Awajun und Wampis gehört die knappe Mehrheit keiner Kirche an, sondern lebt die eigene, jahrtausendealte Spiritualität. Die Übrigen gehören verschiedenen Kirchen an, vor allem Pfingstkirchen sind stark vertreten. Etwas weniger als ein Drittel zählt sich zur katholischen Kirche.

Was erwarten Indigene von der Kirche?

Weiler: Dass sie noch sensibler gegenüber ihrer Kultur wird, etwa für die indigene Weisheit. Sie wollen, dass ihre alten Mythen, Legenden und Riten wertschätzend danach befragt werden, wie Gottes Geist in ihnen schon präsent ist. Natürlich ist für uns Christen Jesus Christus

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