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Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 20/2019
Sind wir noch zu retten?
Was in der Klimakrise hoffen lässt
Der Inhalt:

Hilft die Recycling-Jacke der Umwelt?

von Heike Baier vom 25.10.2019

»Diese Jacke hier ist besonders grün, die stellen wir aus der Altkleidung her, die wir unten an der Kasse einsammeln«, versichert der Verkäufer eines großen Outdoor-Ladens. Er schwindelt – ein Blick auf die Firmenhomepage zeigt, dass die Jacke aus Abfällen der Stoffproduktion stammt. Denn am Recycling von gebrauchten Kleidungsstücken zu neuen Kleidungsstücken – dem ersehnten »closed loop« – beißen sich Outdoor-Firmen seit bald dreißig Jahren die Zähne aus. Auch heute noch. Dennoch steigt der Anteil recycelter Fasern in Outdoor-Kollektionen kontinuierlich. Woraus ist diese Kleidung dann hergestellt? Antwort: Zu schätzungsweise neunzig Prozent aus Plastikflaschen. Die haben nämlich den Vorteil, dass sie ein sehr hochwertiges Polyester (PET) ohne Farbstoffe liefern und gleichzeitig absolut sortenrein vorliegen. Beim PET-Recycling werden gegenüber der Herstellung von Polyester aus Rohöl fünfzig Prozent der Energie und der CO2-Emissionen eingespart, rechnet die Firma Vaude vor. Das ist schön, denn die Synthetik-Herstellung gilt als ungeheuer energieintensiv. Doch wäre es nicht sinnvoller, aus einer Flasche wieder eine Flasche zu machen, statt sie um die halbe Welt zu verschiffen und daraus in Asien einen Faden zu spinnen?

Das werde über kurz oder lang ohnehin passieren, sagt Maike Rabe, Professorin der Hochschule Niederrhein. »Die Flaschenhersteller wollen ihre Flaschen zurück, um sie selbst zu recyceln. Dieser Rohstoff wird knapp werden, denn wirklich funktionierende Sammelsysteme gibt es nur in Deutschland und Japan.« Da wundert es nicht, dass immer wieder Gerüchte die Runde machen, asiatische »Recycler« hätten teilweise fabrikneue Plastikflaschen eingeschmolzen. Und dass das Sammeln von Meeres-Plastik zu einem großen Geschäft geworden ist. Dabei sollte eigentlich alles getan werden, damit Plastik erst gar nicht ins Meer gelangt.

Einige Outdoor-Firmen haben schon die zweite Schwierigkeits-Stufe des Recyclings erklommen und stellen aus den Produktionsresten ihrer Textilfabriken neue Stoffe her. Das ist sinnvoll, denn Abfälle aus Spinnerei, Weberei und Zuschnitt summieren sich etwa bei Polyester auf bis zu zwanzig Prozent. Patagonia und Vaude recyceln bereits auf diese Weise.

Rein technisch gesehen wäre es möglich, die dritte Stufe zu zünden: Aus gebrauchten Synthetik-Klamotten neue Mode zu machen, möglic

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