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Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 20/2017
Neuer Mut in schweren Zeiten
Jüdische Gemeinden in Deutschland
Der Inhalt:

Wenn »deutsch« wieder Schimpfwort wird

Versöhnung in höchster Gefahr: Die nationalkonservative Regierung Polens schürt antideutsche Ressentiments

Das nationale Gedenken an den Beginn des Warschauer Aufstandes am 1. August 1944 hat in Polen einen hohen Stellenwert. 2017, im zweiten Jahr der Regierungsübernahme durch die national-konservative Partei »Recht und Gerechtigkeit« (PiS) von Jaroslaw Kaczynski, wurde dieses Gedenken vielerorts wie ein Hochamt gegen die Deutschen zelebriert. Bei PiS-Parlamentariern und in vielen Medien, vor allem im staatlichen Fernsehen, herrschte Deutschland gegenüber ein rüder, feindseliger Ton. Vizeverteidigungsminister Bartosz Kownacki erklärte, es könne nicht sein, dass »die Kinder und Enkel dieser degenerierten Verbrecher uns heute Demokratie beibringen wollen«.

Parteichef Kaczynski charakterisierte die Haltung der Vorgängerregierung gegenüber Deutschland als »Versöhnungspolitik«, die polnische Interessen preisgegeben habe. Die Rückbesinnung auf die »nationalen Werte« Polens geht bei ihm einher mit einer Sprache, in der das Wort »deutsch« zum Schimpfwort für »Polenfeind« oder »Vaterlandsverräter« geworden ist.

26 Jahre nach Abschluss des deutsch-polnischen Vertrages über »gute Nachbarschaft und freundschaftliche Zusammenarbeit« von 1991 scheint der Vorrat gemeinsamer politischer Interessen zwischen beiden Ländern aufgebraucht. Belastend für das deutsch-polnische Verhältnis wirkten ab 2000 auf deutscher Seite Initiativen des Bundes der Vertriebenen (BdV) zur Einrichtung eines »Zentrums gegen Vertreibungen« und die Gründung einer »Preußischen Treuhand« durch die Landsmannschaft Ostpreußen.

Obwohl diese Initiativen von der Bundesregierung nicht unterstützt wurden, sind sie in Polen als Richtungswechsel in der deutschen Erinnerungspolitik wahrgenommen worden: raus a