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Die Zeitschrift, die für eine bessere Welt streitet ...Ausgabe lesen

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Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 20/2017
Neuer Mut in schweren Zeiten
Jüdische Gemeinden in Deutschland
Der Inhalt:

Patchwork im Stamme Jakob

Das Ideal der lebenslangen Ehe und (möglichst kinderreichen) Familie wird in den Kirchen so sehr gepflegt und hochgehalten, dass es fast als verbindliche christliche Lebensform gilt. Nach dem Beispiel von Martin und Katharina Luther bestimmt es seit bald 500 Jahren die protestantische Kultur, später dann auch das Bild der »gut katholischen« Familie.

Als biblisches Vorbild gilt dabei die »heilige Familie«: Josef, Maria und das Jesuskind. Dabei ist auch dies eine Stieffamilie. Denn Jesus ist – zumindest nach den Aussagen des Lukasevangeliums – kein leibliches Kind Josefs, er wird nur von ihm großgezogen. Und im Alten Testament wimmelt es nur so von Patchworkfamilien: Stammvater Abraham etwa benutzt seine Magd Hagar als Leihmutter und zeugt mit ihr einen Sohn. Erst später bekommt der alte Mann noch ein weiteres Kind mit seiner Ehefrau Sarah. Jakob, der Vater der zwölf Stämme Israels, hat seine zwölf Söhne mit zwei verschiedenen Ehefrauen, der älteren Lea und der geliebten Rahel.

In beiden Patchworkfamilien fliegen gewaltig die Fetzen: Abrahams Frauen sind sich so spinnefeind, dass die Magd schließlich mit ihrem Kind in die Wüste gejagt wird. Und die älteren Söhne Jakobs sind so eifersüchtig auf ihren Halbbruder Josef, dass sie ihn in einen Brunnen werfen und als Sklaven verkaufen.

Natürlich sind die alttestamentlichen Verhältnisse nicht auf die heutige Familiensituation zu übertragen. Doch die Bibel beschreibt die Konflikte dieser Familien nicht als abschreckendes Beispiel, sondern als Etappen auf dem Heilsweg des Gottesvolks. Denn am Ende ist es der ausgegrenzte Halbbruder Josef, der seine ganze Familie von Ägypten aus vor dem Hungertod bewahrt. Hagar, die vertriebene Mag