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Die Zeitschrift, die für eine bessere Welt streitet ...Ausgabe lesen

kritisch • christlich • unabhängigzur aktuellen Ausgabe

 
Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 20/2016
Was die Gesellschaft zusammenhält
Ein Gespräch mit dem Philosophen Hans Joas
Der Inhalt:

Oper mit Ohrwurm-Garantie

CD-Tipp. Im neunzehnten Jahrhundert zählten seine Opern in England zu den unangefochtenen Publikumserfolgen. Heute kennt Michael William Balfe kaum einer mehr – zu Unrecht, wie die Ersteinspielung seiner Romantischen Oper »Satanella« beweist. Zu verdanken ist dieser Fund dem Dirigenten Richard Bonynge: Er hat das Werk aus dem Jahr 1858 neu editiert und mit einem entdeckerfreudigen Ensemble eingespielt.

Schon der Titel klingt nach dämonischer Schauerromantik: Ein weiblicher Teufel wird auf ein Liebespaar angesetzt, um dem Dämon Arimanes eine weitere Menschenseele zu liefern. Doch Satanella verliebt sich in ihr Opfer. Es folgen allerhand absurde Verwicklungen: von eifersüchtigen Nebenbuhlerinnen, Teufelspakten in der Familiengeschichte bis hin zu Piraten-Entführungen. Am Ende fahren Blitze vom Himmel und entlarven die Satansbraut, Dämonen erscheinen in gruseligen Bibliotheken, und es siegt die Macht der Liebe, indem Satanella die Fronten wechselt und vom Dämon zum Engel wird.

Zugegeben, das ist alles reichlich krude, aber wird keinen Moment langweilig. Denn Balfes Musik steht dem melodischen Einfallsreichtum eines Bellini oder Donizetti in keiner Weise nach. Das »Power-of-Love«-Motiv geht einem schon nach erstmaligem Hören nicht mehr aus dem Kopf. Ebenso graben sich das Sextett auf dem Sklavenmarkt im dritten Akt und die süffigen Balladen ins Ohr. Und Richard Bonynge hat hörbar Freude, diese Melodien mit großem Operngestus und federnder Leichtigkeit klanglich erfahrbar zu machen.

Kurz: Diese Satanella erweist sich als eine Fundgrube für das nächste Opernwunschkonzert – und ist hoffentlich nur der Startschuss für Folge-Produktionen: Mehr Balfe!