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Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 20/2016
Was die Gesellschaft zusammenhält
Ein Gespräch mit dem Philosophen Hans Joas
Der Inhalt:

»Lasst uns die Reformation radikalisieren«

Ein Gespräch mit Ulrich Duchrow über die Zivilisation des Geldes und die Perspektiven der Bibel

Publik-Forum: Herr Professor Duchrow, Sie haben sich intensiv mit Luther als einer prophetischen Figur im Frühkapitalismus beschäftigt. Worin besteht Ihrer Meinung nach sein bleibendes Vermächtnis?

Ulrich Duchrow: Seit dem 11. Jahrhundert kommt es zu einem Erstarken der Geldwirtschaft, die schließlich in eine Herrschaft des Geldes mündete. Zwar waren Zinsen von der Bibel und vom römischen Recht verboten. Trotzdem entwickelte sich eine blühende Zinswirtschaft. Die damalige Kirche hat daraus Kapital geschlagen, indem sie ein System entwickelte, wonach man sich durch Geld von Fegefeuerstrafen freikaufen konnte. Dazu kommt, dass durch die einflussreiche Theologie des Anselm von Canterbury kapitalistische Denkmodelle quasi spiritualisiert wurden.

Inwiefern?

Duchrow: Der entscheidende Gedanke in Anselms Satisfaktionslehre besteht darin, dass Schulden zurückgezahlt werden müssen. Diesem Grundsatz muss sich selbst Gott beugen, weshalb er seinen Sohn schickt, um die Menschheit von ihrer unendlichen Schuld zu erlösen. So entwickelte sich – verkürzt gesprochen – der Gedanke, dass es ein Geschäft mit Gott geben könnte. Es kommt zu einer Kommerzialisierung des Heils. Dagegen hat Luther hellsichtig protestiert. Bei der Reformation ging es nicht in erster Linie um Fragen der rechten Frömmigkeit. Vielmehr treffen Luthers Thesen ins Herz der beginnenden Ökonomisierung der Kirche. Er kritisiert damit auch die sich abzeichnende Herrschaft des Geldes, ein Verständnis der Welt, wonach alles und jedes käuflich ist.

Dennoch gilt just der Protestantismus aufgrund seiner Arbeitsethik als besonders wirtschaftlich erfolg