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Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 20/2016
Was die Gesellschaft zusammenhält
Ein Gespräch mit dem Philosophen Hans Joas
Der Inhalt:

Anders Leben: Ein Haus, wo Flügel wachsen

von Claudia Keller vom 21.10.2016
Elke Naters und Sven Lager waren erfolgreiche Popliteraten. Jetzt teilen sie ihr Leben mit Geflüchteten

Die grauen Tische heben sich dezent vom hellgrünen Linoleumboden ab. Die Secondhandstühle sind so zusammengewürfelt, dass es trendig aussieht. So hat man das jetzt in den Berliner Cafés. In einer Ecke steht ein aufgeschlagener Atlas wie auf einem kleinen Hausaltar. Für Elke Naters und Sven Lager ist der Atlas mehr als eine nette Dekoration. Die beiden leben hier in der Neuköllner Lenaustraße auf vier Etagen mit Flüchtlingen zusammen. Das Café im Erdgeschoss ist nur ein kleiner Teil ihres »Sharehaus Refugio«.

Hinter dem Tresen mit der zischenden Espressomaschine öffnet sich eine Glastür in einen riesigen Hausflur. Das hundert Jahre alte Haus ist ein großer Kasten mit kleinen Zimmern. Früher wohnten hier Senioren. Im Sommer 2015 zogen Weltenwanderer aller Art ein: Syrer, Somalier und Afghanen, die eine Aufenthaltserlaubnis bekommen haben und die Flüchtlingsheime verlassen durften. Dazu Einheimische, die Lust auf Veränderung haben.

»Wir nehmen den Aufzug«, sagt Sven Lager und drückt den Knopf zur Dachterrasse. Die abgeschrabbelte Tapete in der Kabine hat er mit dem berühmten Zitat aus dem Korintherbrief besprüht: »Wenn ich mit Menschen- und Engelszungen redete, und hätte der Liebe nicht …«

Dass Sven Lager einmal Wände mit Bibelsprüchen verzieren würde, war nicht abzusehen. Um die Jahrtausendwende gehörten er und Elke Naters zu den bekanntesten Popliteraten der Stadt. In ihren Romandebüts hatten die damals Mitte Dreißigjährigen das Lebensgefühl ihrer Generation in der aufgekratzten Großstadt Berlin beschrieben, kühl, unprätentiös, dicht. Doch bald hatten sie genug von Pop und Party. Sie wanderten mit ihren beiden kleinen Kindern aus, zuerst nach Bangkok, dann für zehn Jahre nach Südafrika.

Ratgeber statt Popliteratur

Vor zwei Jahren kehrten sie zurück. Jetzt sind sie Anfang fünfzig, die Kinder erwachsen. Auf der Dachterrasse fährt der Wind in kurze graue Haare. Die beiden sind immer noch Schriftsteller. Statt Popliteratur schreiben sie Ratgeber: über die Liebe, über Erziehung – und über Gott.

Gott hat ihr Leben umgekrempelt. Angefangen hat das in Südafrika. Surferkumpel Mike nahm sie mit in seine Kirche. Evangelikal ausgerichtet war sie oder pfingstlich – Einteilungen, die den beiden fremd waren. Die Musik fetzte, beim Singen hoben die Leute die Hände und schlossen die Augen. Was in D

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