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Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 20/2016
Was die Gesellschaft zusammenhält
Ein Gespräch mit dem Philosophen Hans Joas
Der Inhalt:

Sozialprotokoll: »Auf der falschen Seite«

Felix Benneckenstein (30) war Neonazi. Er stieg vor fünf Jahren aus. Seither muss er sich vor seinen früheren Freunden fürchten

Angefangen hat bei mir alles in der Pubertät. Ich bin im Großraum München aufgewachsen, mit meinen Eltern und drei Brüdern. Bis ich 13, 14 war, war ich ein unauffälliger Schüler. Dann begann die rebellische Phase, gegen Lehrer, Eltern, gegen alle Autoritäten. Ich brach das Gymnasium ab – erst kürzlich habe ich die Mittlere Reife nachgeholt, das Abitur steht noch aus. Mich gegen meine Eltern aufzulehnen war damals gar nicht so einfach: Sie sind sehr tolerante Menschen, mit Piercings oder Punkfrisur hätte ich die nicht schocken können. Das ging eigentlich nur, indem ich rechts wurde.

In unserem Ort gab es eine Rivalität zwischen zwei Jugendcliquen: Die anderen waren im Jugendzentrum, wir nicht. Da hat unsere Clique auf einen Schlag beschlossen, dass wir rechts sind. Wir haben die anderen zu »Ausländern« erklärt und uns zu »Deutschen«. So schnell kann das gehen. Und es war ganz einfach: Es gab einen NPD-Ortsverein und einen Laden mit Nazisachen unter der Theke. Ganz wichtig war der Rechtsrock: Man fand die Nazis interessant, die so coole Musik machen, und identifizierte sich mit den Texten. Bei mir war das nicht ganz so einfach, weil mein kleiner Bruder das Down-Syndrom hat. Das passte natürlich nicht in die Ideologie. In weiten Teilen stimmte ich mit der Ideologie aber überein.

Meine Eltern waren entsetzt, das wollte ich auch so. Ich zog zu Hause aus, gründete eine Kameradschaft, die meine Ersatzfamilie wurde, und reiste als Nazi-Liedermacher herum – klassische Gitarre hatte ich ja gelernt. Allerlei Unsinn habe ich an Wände geschmiert, »Märtyrer des Friedens – Rudolf Hess«, »Frei-Sozial-National« und solches Zeug. Im Stadtpark bin ich Punks angegangen, auch mal mit Pfefferspray. Ich radikalisierte mich t