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Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 20/2014
Wie mich mein Glaube trägt
Von Menschen, die Gott suchen
Der Inhalt:

Spiritprotokoll: Wie im Himmel

von Eva-Maria Lerch vom 24.10.2014
Wir Frauen machen ein Experiment mit ein paar schlichten Instrumenten – und dann dieser Ton, dieser ungeheure Klang

Die Flöte. Ja, genau. Ich will die Flöte mit dem blauen Mundstück haben. Also bücke ich mich auf den Boden, pflücke sie zwischen den anderen Instrumenten heraus und blase hinein. Huiiiiiiih. Hiiiiiuhh. Diese Flöte hat keine Löcher, ihr Ton verändert sich nur durch die Kraft, mit der ich hineinblase. Ich puste, blase, sanft und leise, laut und kräftig, bis ich den Ton gefunden habe, den ich suche. Huuuuuuuuh. Huhhh. Uhuhhhh. Dieser Ton, der dunkel ist und weich und tief. Mein Ton. Dieser eine Ton, der alles ausdrückt, was ich hören und sagen will.

Wir Frauen machen heute ein Experiment. Eine Kommunikation mit Instrumenten. Normalerweise treffen wir acht uns einmal im Monat zu unserer Frauengruppe im Gemeindehaus, um über Gott und die Welt zu reden, über unsere Arbeit, unsere Kinder, unseren Glauben. Wir haben auch schon zusammen gemalt und gesungen und Yoga ausprobiert.

Doch heute ist der Raum hier voll mit Flöten, Rasseln und Trommeln. Und so seltsamen Instrumenten mit langen Saiten oder winzigen Metallzungen, die »Monocord« oder »Kalimba« heißen. Man kann spontan und ohne Noten darauf spielen, ohne dass es disharmonisch klingt. Beate und Katrin haben die Klangwerkzeuge mitgebracht. Die beiden arbeiten an der Grundschule und nutzen sie vor allem für die Musiktherapie mit Kindern. »Nehmt euch einfach ein Instrument, das euch anzieht«, hat Beate gesagt. »Und wenn ihr genug darauf gespielt habt, legt es wieder hin und greift euch ein anderes.« Man darf sich aber auch bloß hinlegen und zuhören.

Huuuuuuuuuuuuh. Huhuhu. Uhuhuuuuh. Es klingt, als ob mein Ton nicht wirklich aus dem blauen Mundstück zwischen meinen Lippen kommt, sondern irgendwo von weit her, aus einer unbekannten Tiefe. Ich bin erstaunt, wie ruhig er mich macht, wie lange ich hier mit dieser kleinen Flöte sitze und nichts weiter begehre, als diesen einen Ton zu blasen. Neben mir streicht Renate selbstvergessen über das Monocord, einen schmalen Holzblock, der mit langen Saiten bespannt ist und zarte Klänge hervorbringt. Mechthild schwenkt eine flache Trommel mit Reiskörnern, es klingt wie Meeresrauschen. Dorothea, die erschöpft vom Dienst als Krankenschwester gekommen ist, hat sich auf den Boden gelegt und lässt sich von uns bespielen.

Wir reden nicht, wir blicken uns nicht an. Es sieht aus, als ob jede nur bei sich und ihrem Instrument ist. Und doch höre ich, wie mein Flötenton in

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