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Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 20/2014
Wie mich mein Glaube trägt
Von Menschen, die Gott suchen
Der Inhalt:

»Wie heute von Gott reden?«

von Thomas Seiterich vom 24.10.2014
NachgefragtDie Theologin Julia Lis und der Konziliare Ratschlag verstehen die Bibel als Befreiungsgeschichte

Publik-Forum: Frau Lis, Sie organisierten den Konziliaren Ratschlag »gott.macht.
sprache« in Frankfurt am Main. Was war auf der Veranstaltung los?

Julia Lis: Wir gingen mit neunzig Frauen und Männern der Frage nach: Wie finden wir eine Sprache für unsere Sehnsucht, für unsere Träume und Wünsche nach Gerechtigkeit, Teilhabe und dem Ende von unterdrückung. Und wir fragten, wie wir dabei aufrichtig und überzeugend von Gott reden können, ausgehend von den Erfahrungs-Orten, an denen wir leben und arbeiten. Viele der Teilnehmenden kamen aus der Leserinitiative Publik-Forum, aus Wir sind Kirche, dem Kreis um das Institut für Theologie und Politik und aus dem Befreiungstheologischen Netzwerk.

Wie gingen sie die Gottesfrage an?

Lis: Nach dem Startvortrag der Theologen Kuno Füssel und Michael Ramminger in Workshops und Arbeitsgruppen. Dort stellten die Teilnehmenden ihre Erfahrungen aus der Praxis zur Diskussion. Gebündelt wurde alles in einem Vortrag der evangelischen Theologin Renate Wind: »Von Gott reden in einer Welt der Gewalt«.

Weshalb finden Sie es so schwierig, von Gott heute zu reden?

Lis: Die Frage nach einer Sprache, in der von Gott gesprochen wird, sodass es Relevanz für die Menschen hat, ist in unserer Gegenwart nicht mehr selbstverständlich. Zugleich erleben wir Kirchen, in denen profihaft von Gott gesprochen wird. Doch viele Menschen spüren, dass die existenziellen Fragen nach Gerechtigkeit, Unterdrückung, Befreiung dort nicht oder kaum zur Sprache gebracht werden. So wächst die Gefahr, dass die religiöse Sprache ihren Inhalt verliert und sie keinen Ausdruck mehr bietet für das, was die Menschen leiden, was sie bewegt und berührt.

Sie tagten im Gallus-Viertel in Frankfurt, einem vergleichsweise armen Stadtteil. Dort leben über 20 000 Menschen im Prekariat. Kamen sie auf Ihrem Ratschlag zu Wort?

Lis: Wir haben sie herzlich eingeladen, aber es war nicht einfach. Dennoch hatten die Erfahrungen mit Arbeitslosigkeit, Prekariat, Flucht und Migration in vielen Workshops einen Platz, eingebracht durch Menschen, die damit in ihrer alltäglichen Arbeit konfr

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