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Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 20/2014
Wie mich mein Glaube trägt
Von Menschen, die Gott suchen
Der Inhalt:

Zurück in die Zukunft

von Wolfgang Kessler vom 24.10.2014
Jetzt wäre die Zeit reif für Alternativen zu einer reinen Wachstumspolitik. Doch stattdessen schlagen Rechte und Linke wieder die alten Schlachten

Kaum melden die Wirtschaftsforscher rückläufige Wachstumsraten der Wirtschaft, präsentieren die rechten und linken Interessenvertreter ihre altbekannten Vorschläge, um wieder Wachstum zu schaffen. Dabei wäre die gegenwärtige Lage relativer Stabilität eine große Chance, die deutsche Wirtschaft mit gezielten Maßnahmen nachhaltiger und zukunftsfähiger zu machen, statt einfach immer mehr zu produzieren und zu kaufen. Das Zeitalter des Postwachstums kommt bestimmt.

Mit solchen Gedanken geben sich die wachstumsgläubigen Traditionalisten gar nicht erst ab. Sie tun so, als gäbe es keine knappen Ressourcen, keine Umweltzerstörung, kein Klimaproblem, als könnten wir weiter munter draufloskaufen und produzieren. So fordern Unternehmer und liberal-konservative Politiker wieder einmal die üblichen Steuersenkungen, damit die Unternehmen mehr investieren. Dabei interessiert sie nicht, dass die Unternehmen derzeit ohnehin schon in Geld schwimmen und Kredite so billig sind wie nie zuvor. Sie investieren dennoch nicht, weil sie im Inland und im Ausland einfach nicht mehr verkaufen können. Bei geringeren Steuern wäre dies auch nicht anders.

Die Gewerkschaften und viele traditionelle Linke stehen diesem Wachstumsfetischismus in nichts nach. Sie fordern staat liche Investitionen, mit neuen Schulden finanziert, und höhere Lohnsteigerungen. Diese mögen für Geringverdiener gerechtfertigt sein. Viele Beschäftigte mit mittleren oder höheren Einkommen hätten jedoch viel lieber mehr Zeit für sich und ihre Familien als mehr Geld. Aus ökologischer Sicht ist mehr Massenkonsum ohnehin äußerst widersinnig. Es mag unpopulär klingen, aber noch mehr Elektronik und noch mehr Urlaubsflüge machen die deutsche Wirtschaft nicht zukunftsfähig, schaden aber der Umwelt.

Und die Regierung? Sie tut wie so oft nichts und verweist auf ihr Dogma der »schwarzen Null«. Das soll heißen: Mehr Investitionen können wir nicht tätigen, weil wir keine neuen Schulden machen wollen.

So wird eine große Chance vertan. Denn jetzt, da die große Krise noch nicht ausgebrochen ist, wäre die Zeit günstig für gezielte Schritte zu mehr Gerechtigkeit und Nachhaltigkeit – und dies ohne neue Schulden. Jetzt könnte die Politik den Vermögensbesitzern und den Beziehern hoher Einkommen etwas höhere Steuern und Sozialabgaben zumuten. Und dieses Geld aus dem Reichtum in bessere Krankenhäuser, eine humanere Pf

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