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Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 20/2014
Wie mich mein Glaube trägt
Von Menschen, die Gott suchen
Der Inhalt:

Papst Franziskus reißt die Fenster auf

von Thomas Seiterich vom 24.10.2014
Ändert sich die römische Kirche? Es steht Spitz auf Knopf. Die Konservativen leisten beinhart Widerstand. Doch auf der Außerordentlichen Weltbischofssynode im Vatikan über Familie und Sex überwog der frische, freiheitliche Konzilsgeist

Papst Franziskus verfolgt seit 2013 das Ziel, die unter zwei konservativen Päpsten aus Polen und Deutschland seit einem Vierteljahrhundert müde, niedergeschlagen und ängstlich gewordene katholische Kirche aufzurütteln. Risikobereites und einladendes Glaubenshandeln will Papst Jorge Bergoglio anstatt depressiven Kreisens der Kirche um sich selber. Ansteckende Hoffnung statt Glaubens-Besitzverwaltung. Missionarische Unruhe statt melancholischen Verstummens.

All dies hat Franziskus nun: Er hatte Wind gesät und erntete Sturm bei der vor wenigen Tagen zu Ende gegangenen Synode in Rom. Es wurde heiß und kontrovers diskutiert über Familie, homosexuelle Liebe und Kirche. Auf die erste Halbzeit der Weltbischofssynode wird im Oktober 2015 die zweite folgen. Schon jetzt ist zu sehen: Die Kirche der Oberhirten zeigt sich nicht bloß brav und folgsam wie unter Papst Benedikt. Sie lebt. Die Gegensätze brechen auf. Heftig tobt der Streit der Meinungen.

Hauptergebnis: Es gab unter den 191 stimmberechtigten Synoden-»Vätern« – Bischofsvorsitzenden aus nahezu allen Ländern der Erde sowie vatikanischen Kurialen – eine klare, eindeutige Mehrheit für Reform, Öffnung, Kurswechsel. Mit dieser heftigen Familiensynode gehört nun auf allen Ebenen – von den Pfarreien bis zu den Bistümern – der Abschied von der veralteten Verbotskirche auf die Tagesordnung.

Während der Synode fegte ein Wind durch den Vatikan, der dort zuletzt in den Jahren von 1962 bis 1965 geweht hatte: Es ist der freimütige und streitbereite Wind des Zweiten Vatikanischen Konzils.

Doch kommt dieses Erwachen in Rom nicht zu spät? Franziskus beweist in seiner Themen-Wahl Mut. Denn nichts anderes ist den Menschen so nahe wie ihre Familie, Ehe, Partnerschaft – und Sexualität. Und auf keinem anderen Gebiet hat sich Rom seit der Pillenverbots-Enzyklika von 1968 so tiefgehend vom Leben und Empfinden der Menschen von heute isoliert. Gegenüber homosexuellen Menschen unterbietet die Lehre dieser Kirche die Standards von Humanität und Fairness, die in den Zivilgesellschaften des Westens erstritten worden sind. Viele kritische Katholikinnen und Katholiken, auch Ordensfrauen und Geistliche, kämpfen deshalb gegen die inhumane und völlig Jesus-ferne Sexual- und Ehelehre, mit der Rom den Menschen schwere Lasten aufzuhalsen versucht.

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